Infolge ihres Gehaltes an giftigen Alkaloiden, die in der Medizin Verwendung finden, zählen viele Solanaceen zu den offizinellen Gewächsen, so liefert Atropa Belladonna Folia Belladonnae, Radix Belladonnae und Atropin (Pharm. germ., austr., helv.), Datura Stramonium Semen und Folia Stramonii (ibid.), Hyoscyamus niger Folia Hyoscyami (ibid.), Capsicum annuum Fructus Capsici (Pharm. germ., helv.), Nicotiana tabacum Folia Nicotianae (Pharm. helv.), Solanum Dulcamara Caules Dulcamarae (Pharm. austr., helv.); Scopolia carniolica Scopolaminum (Pharm. germ.).

Durch dorsiventrale Blüten, nicht gefaltete Knospenlage der Krone und Unvollständigkeit des Andröceums ist die 2. Familie Scrophulariaceae von den Solanaceen unterschieden. Außerdem hat die zweifächerige Kapselfrucht keine schrägstehende Scheidewand.

Von den bekannten Gattungen hat nur Verbascum (Fig. 769,770 A ), die Königskerze, fünf Staubblätter, doch sind die drei hinteren mit wollig behaarten Filamenten und quergestellten Antheren abweichend und nur zwei vordere normal ausgebildet. Die Pflanzen sind zweijährig und durch stark wollige Behaarung der mächtigen Blattrosette kenntlich. Scrophularia, Linaria und Antirrhinum, Löwenmaul, haben nur vier Staubblätter bei einer zweilippigen Krone, bei Gratiola (Fig. 770 B ) und Veronica, Männertreu, sinkt die Zahl der Staubblätter auf zwei herab. Mimulus, Torenia mit reizbarer Narbe vgl.S. 321. Maurandia Blattstielkletterer. Digitalis purpurea (Fig. 771 ), der Fingerhut, mit einseits gewendeten Blüten am Schaft des im zweiten Jahre aus der Blattrosette aufschießenden Blütenstandes, ist giftig, und seine Blätter sind als Folia Digitalis offizinell (Pharm. germ., austr., helv.). Ebendort die Blüten von Verbascum thapsiforme und V. phlomoides als Flores Verbasci.

Fig. 767. Nicotiana Tabacum. 1⁄2 nat. Gr. — Offizinell und giftig. a Blüte, nat. Gr., b Krone aufgeschnitten, nat. Gr., c Fruchtknoten, nat. Gr., d und e junge Frucht. Vergr. 2.

Einen besonderen Verwandtenkreis innerhalb der Scrophulariaceen bilden die Parasiten und Hemiparasiten wie die völlig chlorophyllfreie Lathraea[498] und die grün beblätterten aber mit Wurzelhaustorien auf anderen Pflanzen parasitierenden Arten von Tozzia, Bartschia, Pedicularis, Euphrasia, Odontites, Melampyrum und Alectorolophus.

Ebenso sind die Angehörigen der 3. Familie Orobanchaceae mit der durch einfächerigen Fruchtknoten ausgezeichneten Gattung Orobanche, Würger, rein parasitisch (Fig. 772 ).

Fig. 768. Hyoscyamus niger, blühender Sproß und Frucht. 1⁄2 nat. Gr. — Offizinell und giftig. Fig. 769. Verbascum thapsiforme. a Blüte. b Kelch und Griffel. Nat. Gr. — Offizinell. Nach H. SCHENCK. Fig. 770. Scrophulariaceae. Blütendiagramme. Nach A. W. EICHLER. A Verbascum. B Gratiola. In der Lebensweise bieten auch die Angehörigen der 4. Familie Lentibulariaceae Besonderheiten, so sind die Sumpf- und Wasserpflanzen der Gattungen Utricularia[499] und Pinguicula insektivor.

In der reduzierten 5. Familie der Plantaginaceae, sind anemophile Gattungen wie Litorella lacustris und stark dichogame, wie der protogyne Plantago, Wegerich, vereinigt.

2. Fruchtknoten unterständig.

Die 5. Ordnung, Rubiinae,