soll ihre Verwandten in der ebenfalls durch unterständigen Fruchtknoten ausgezeichneten Ordnung der Umbellifloren besitzen, an die sie also anschließen würde. Die Blüten sind vier- oder fünfzählig, bei den verwandten Familien mit zygomorphen (Caprifoliaceen) und asymmetrischen (Valerianaceen) Blüten ändern sich die Zahlen im Andröceum und Gynäceum.

Fig. 771. Digitalis purpurea. 1⁄2 nat. Gr. a Corolle, b Kelch und Fruchtknoten, c Frucht aufgesprungen, d Fruchtquerschnitt. a d nach H. SCHENCK. — Offizinell und giftig.

Die erste Familie der Rubiaceae[500] besitzt radiäre Blüten und in den vegetativen Teilen einfache Blätter mit Nebenblättern. Einheimische Rubiaceen gibt es nur wenige, die alle dem Formenkreis von Asperula, Waldmeister, Galium und Rubia angehören, dadurch ausgezeichnet, daß die Nebenblätter den Blättern gleichgestaltet sind und scheinbare Blattquirle darstellen, die normal sechszählig sein müßten, durch Verwachsung der benachbarten Nebenblätter vierzählig werden, aber in den Zahlen etwas variieren.

In den Tropen sind Rubiaceen reich vertreten als Bäume, Sträucher, Kletterpflanzen und Epiphyten.

Eine der wichtigsten Rubiaceen-Gattungen ist Cinchona (Fig. 773 ); sie liefert in verschiedenen kultivierten Arten die Chinarinde und die daraus gewonnenen fieberwidrigen Alkaloide. Stattliche Bäume der Südamerikanischen Anden, werden die Cinchona-Arten jetzt in allen tropischen Kolonien angebaut. Ihre Kapselfrüchte beherbergen zahlreiche geflügelte Samen (Fig. 774 ). Ebenso wichtig aber als menschliches Genuß- und Nahrungsmittel ist der Kaffeestrauch, Coffea arabica (Fig. 775 ), Gebirgsbewohner Afrikas, und daneben die im tropischen Tieflande fortkommende Coffea liberica. Die Früchte sind zweisamige Steinfrüchte. Das Exokarp wird fleischig; das Endokarp besteht aus einer dünnen Lage Steinzellen, welche die von ihrer Silberhaut, der Samenschale, eingehüllten zwei Samen, die Kaffeebohnen, umschließt. Zu den beerenfrüchtigen Formen gehören die bekannten merkwürdigen Knollenepiphyten Hydnophytum und Myrmecodia[500], die nach den neuesten Untersuchungen aus den Exkrementen der sie bewohnenden Ameisenkolonien Nutzen ziehen. Ebenso sind ernährungsphysiologisch Psychotria und Pavetta -Arten von Interesse[501], die in ihren Blättern Stickstoff assimilierende Bakterien beherbergen; sie sind insofern höher organisiert als die Leguminosen mit ihren Wurzelknöllchen, als sie die Bakterien auch mit in ihre Samen einschließen und so gleich Vorsorge für die nächste Generation treffen.

Von offizineller Bedeutung sind außer dem Chininum und Cortex Chinae (Pharm. germ., austr., helv.) von Cinchona succirubra und C. Ledgeriana die Radix Ipecacuanhae (ibid.) von dem kleinen beerenfrüchtigen Halbstrauch Brasiliens Uragoga Ipecacuanha (Fig. 776 ) und Catechu ( Gambir ), der aus den Blättern der Liane Ourouparia Gambir gewonnene Extrakt.

Fig. 772. Orobanche minor auf Trifolium repens schmarotzend. 1⁄2 nat. Gr. Einzelblüte vergr.

Die 2. Familie der Rubiinae ist die der Caprifoliaceae. Sie enthält Holzgewächse, deren verschieden gestalteten Blättern die Nebenblätter meist fehlen. Mit radiären Blüten und dreifächerigem Fruchtknoten ist Viburnum, der Schneeball, ausgestattet. Die Früchte enthalten nur einen Samen, die unfruchtbaren Randblüten dienen als Schauapparat; in der Zierpflanze sind nur diese unfruchtbaren Blüten in den kugeligen Trugdoldeninfloreszenzen vorhanden. Sambucus, Holunder, hat unpaarige Fiederblätter, drüsige Nebenblätter und radiäre Blüten. Die Frucht enthält drei Samen. Dorsiventrale Blüten finden sich beim Gaisblatt, Lonicera periclymenum, einem schlingenden Strauch unserer Haine, dessen langröhrige stark duftende Blüten durch langrüsselige Sphingiden besucht werden. Diervilla ( Weigelia ) beliebter Zierstrauch.

Fig. 773. Cinchona succirubra. 1⁄2 nat. Gr. Nach A. MEYER und SCHUMANN. — Offizinell.

Offizinell sind Flores Sambuci (Pharm. germ., austr., helv.) von Sambucus nigra und Cortex Viburni (Pharm. austr.) von Viburnum prunifolium.