In der 3. Familie Valerianaceae finden sich Stauden mit asymmetrischen Blüten, deren Kelch sich erst an den Früchten als „Pappus“ entwickelt, d. h. zu einer als Flugapparat dienenden Federkrone. Valeriana, der Baldrian, besitzt eine gespornte fünfzählige asymmetrische Krone (Fig. 777,778 ), drei Staubblätter und drei Fruchtblätter, von diesen ist aber nur eines fertil. Andere Valerianaceen haben nur zwei ( Fedia ) oder ein ( Centranthus ) Staubblatt in der Blüte.
Valeriana officinalis liefert das offizinelle Oleum Valerianae und die Radix Valerianae (Pharm. germ., austr., helv.).
Als 4. Familie sei angefügt die der Dipsacaceae, die als krautige Pflanzen mit gegenständigen Blättern und vier- bis fünfzähligen, teils radiären, teils zygomorphen Einzelblüten sich hier gut einfügen. Die Blüten stehen jede von einem Außenkelch umgeben, der als Verbreitungsmittel dient, in Köpfchen zusammen, die von sterilen Hüllblättern eingeschlossen werden.
Fig. 774. Cinchona succirubra. A Blüte. B Korolle aufgeschnitten. C Fruchtknoten-Längsschnitt. D Früchte. E Samen. A – C und E vergr. D nat. Gr. Nach A. MEYER und SCHUMANN.
Dipsacus, die Weberkarde, mit stechenden Hüll- und Spreublättern, hat vierteilige radiäre Krone, vier Staubblätter und ein Fruchtblatt, das eine hängende anatrope Samenanlage enthält; im Samen findet sich Endosperm (Fig. 779 ). Ebenfalls vierteilig ist Succisa (Fig. 780 ); fünfteilige Krone und größere dorsiventrale Randblüten führt Scabiosa; vierteilig und einzige Gattung ohne Spreublätter ist Knautia.
Der gemeinsame Charakterzug der
Synandrae
als 6. Ordnung ist darin zu finden, daß ihre Antheren, seltener die ganzen Staubblätter, in irgendeiner Weise miteinander verwachsen oder verklebt sind. Im übrigen kann die Blüte radiär oder zygomorph sein.
Fig. 775. Coffea arabica. 1⁄2 nat. Gr. Einzelblüte. Frucht, Samen im Endokarp und daraus befreit. Etwa nat. Gr.
Als 1. Familie sei diejenige der Cucurbitaceae angeführt, welche am besten schon durch die häufig bei ihr nicht durchgeführte Sympetalie die Verbindung zu den Choripetalen, wenn auch zu Gruppen, die in unserem kurzen Auszuge keine Erwähnung finden konnten, aufrecht erhält. An die Cucurbitaceen sind daher auch die übrigen Sympetalen angegliedert (vgl.StammbaumS. 583 ). Die Familie umfaßt krautige, rauhhaarige, großblättrige Pflanzen mit meist monözisch verteilten diklinen Blüten. Kelch und Krone verwachsen unterwärts, und die Antheren vereinigen sich paarweise, in anderen Fällen sämtlich miteinander, wobei sie eine ∞förmige Krümmung annehmen (Fig. 781 ). Der dreifächerige Fruchtknoten wird zu einer derbschaligen Beerenfrucht. Die Ranken sind verzweigt oder unverzweigt und entsprechen in ihrer seitlichen Stellung einem Vorblatte. Cucumis sativus, die Gurke, und Cucumis Melo, die Melone, werden vielfach kultiviert. Die Gurkenpflanze ist parthenokarp[502], d. h. Bestäubung der Narbe ist zum Fruchtansatz nicht nötig. Cucurbita Pepo, der Kürbis, Bryonia, die Zaunrübe. Fig. 776. Uragoga Ipecacuanha. 1⁄2 nat. Gr. Fruchtstand daneben. — Offizinell. Fig. 777. Valeriana officinalis. a Blüte. Vergr. 8. b Frucht. Vergr. — Offizinell. Nach H. SCHENCK. Fig. 778. Valeriana. Diagramm. Nach F. NOLL. Fig. 779. Frucht von Dipsacus fullonum im Längsschnitt, hk Hüllkelch, end Endosperm, em Embryo. Nach H. BAILLON. Fig. 780. Succisa pratensis. a Blüte mit Außenkelch, b ohne Außenkelch, c Frucht im Längsschnitt, f Fruchtknoten, hk Außenkelch. Nach H. SCHENCK. Offizinell ist Citrullus Colocynthis, die Koloquinte, eine ausdauernde Pflanze der asiatischen und afrikanischen Wüsten nördlich des Äquators; in den Achseln ihrer tief dreilappig fiederschnittigen Blätter stehen einzeln männliche Blüten mit drei Antheren, von denen zwei paarig verwachsene die doppelte Zahl von Windungen haben wie die fünfte unpaare, die weiblichen Blüten in gleicher Stellung. Die Früchte werden zu trockenen Beeren, die Pflanze liefert Fructus Colocynthidis (Pharm. germ., austr., helv.) (Fig. 783 ). Fig. 781. Fig. 782. Fig. 781 u. 782. Ecballium (Cucurbitaceae). Diagramm. Fig. 781 Männlich. Fig. 782 Weiblich. Nach A. W. EICHLER.