»Zu Befehl, Herr Oberleutnant.«

Nanu, was hatte er denn da oben zu schaffen? Steckten die etwa auch wie er in der Tinte? Das wäre ja böse, denn Leimann war immer noch so eine Art Rückhalt gewesen, indem er für versprochene Zahlungen Bürgschaft leistete oder die Gläubiger mit beruhigen half.

Inzwischen überreichte Herr Krause der zu Tode erschrockenen Hausgenossin eine Klage der Firma Weinstein u. Co., der sie vierhundert Mark für eine gelieferte seidene Robe schuldete.

Sie geriet in helle Verzweiflung und raste wie besessen im Zimmer auf und ab. Was war da zu tun? Woher das Geld nehmen? Sie wollte Borgert um den Betrag bitten. Aber, was sollte der von ihr denken? Würde er nicht alle Achtung vor ihr verlieren?

Einen Augenblick stand sie unschlüssig im Zimmer und drückte beide Hände gegen das klopfende Herz. Dann schritt sie entschlossen zur Tür und eilte die Hintertreppe hinab.

Sie fand Borgert sinnend in einem Sessel sitzen, und er erhob sich nicht einmal, als sie eintrat, sondern winkte ihr nur mit der Hand einen Gruß entgegen. Sie trat auf ihn zu und küßte ihm zärtlich die Stirn, dann setzte sie sich auf seinen Schoß, während er den Arm um die schlanke Taille legte und ihr fragend ins Antlitz schaute.

»Was für sonderbare Besuche empfängst du denn neuerdings?«, fragte er nach einiger Zeit halb scherzend.

»Ich? Besuche?«, brachte Frau Leimann verwirrt hervor, »ich habe niemand empfangen, wirklich nicht, niemand.« Dabei irrte ihr Blick unstät im Zimmer umher.

»Du hast niemand empfangen? Ei, ei, du kleine Lügnerin!«

»Aber was fällt dir ein, Georg, wer soll denn bei mir gewesen sein?«