»Nun, ganz einfach, ich brauchte Geld für einen Kameraden und appellierte daher an seine schon so oft bewiesene freundschaftliche Gesinnung. Als Zeitpunkt für die Rückzahlung habe ich ihm drei Monate bezeichnet, und mein Wort für pünktliche Erledigung gegeben, denn Sie sagten ja, das Geld bis dahin schaffen zu können.«

»Aber gewiß kann ich das, wenn der Kerl nur jetzt etwas hergibt, das weitere findet sich dann schon.«

So plauderten sie eine halbe Stunde, als Röse mit der Antwort des Rittmeisters König zurückkam.

Leimann ergriff erst hastig den Brief, dann aber zögerte er, ihn zu öffnen. Unentschlossen schaute er auf die Adresse und sah fragend zu Borgert hinüber, der noch behaglich in seinem Sessel saß.

Oft harren wir sehnlich einer Nachricht, die uns freudige oder unangenehme Botschaft bringen kann. Wir können den Augenblick nicht erwarten, bis wir die Entscheidung in den Händen haben, dann aber wagen wir nicht, die Botschaft zu erfahren, denn sie könnte uns Enttäuschung bringen. Die Ungewißheit aber ist schöner, weil sie neben der Furcht vor Enttäuschung auch die Hoffnung auf Freudiges in sich schließt.

Schließlich riß Leimann das Kouvert auf und faltete den Brief auseinander.

Betroffen schaute er in die Schriftzüge. Borgert sah an dem Gesicht des Lesenden, der mit hochgezogenen Brauen und nervös zitternden Händen vor ihm stand, daß die Antwort König's nichts Erfreuliches brachte. Aber er war ruhiger, weniger betroffen, als Leimann, obgleich ihn selbst die Angelegenheit doch am ersten betraf. Es war ihm schon lange nichts Neues mehr, diese absagenden Antworten auf Darlehnsgesuche und ähnliche Schreiben, der Mensch gewöhnt sich eben an alles.

Sein Gesicht aber nahm einen zornigen Ausdruck an, als er jetzt selbst die Antwort las, nachdem sie ihm Leimann stillschweigend gereicht. Der Brief lautete:

»Zu meinem Bedauern bin ich nicht in der Lage, ihrem Wunsche nachzukommen. Einesteils kann und darf ich es nicht tun mit Rücksicht auf meine Familie, denn Summen von derartiger Höhe könnte ich nur aus der Hand geben, wenn mir eine unbedingte Sicherheit geboten wird. In Ihrer ehrenwörtlichen Versicherung für pünktliche Rückzahlung bedaure ich eine solche nicht erblicken zu können, da Sie sowohl, wie Oberleutnant Borgert die Ihnen vor Monaten geliehenen Beträge noch nicht zurückzuzahlen im Stande waren, obgleich Sie mir auch damals Ihr Wort auf Erledigung Ihrer Schuld binnen zehn Tagen gegeben haben. Außerdem scheint mir das, was ich in letzter Zeit über den Stand Ihrer wirtschaftlichen Lage gehört habe, durchaus nicht darnach angetan, eine Innehaltung Ihres Versprechens von heute zu gewährleisten.«

Borgert stand auf und schleuderte das Schreiben wütend zu Boden. Darauf trat er an's Fenster und schaute auf die Straße hinaus.