Das Rezept ist übrigens großartig und acceptiert.«

»Und mit welchem Zuge fahren wir?«

»Du fährst nachmittags, damit wir nicht zusammen abreisen, das würde natürlich auffallen. Ich komme mit dem Abendzuge nach. Wir treffen uns am besten in Frankfurt im Wartesaal, dort können wir dann alles weitere in Ruhe besprechen. Ich nehme natürlich drei Tage Urlaub, damit man mir nicht gleich jemand nachschickt.«

»Dann wären wir ja soweit einig. Ich komme morgen Vormittag herunter, sobald mein Mann fort ist, dann können wir ja noch einmal über alles sprechen. Jetzt muß ich hinauf.«

Noch ein inniger Kuß, und Frau Leimann wandte sich der Tür zu. Als sie Borgert von der Schwelle aus noch einmal zunickte, da gefiel sie ihm wieder. Das erhitzte Köpfchen mit den zerzausten Haaren und den leuchtenden Augen, es war doch wirklich reizend! Eine Art Wonne überkam ihn plötzlich bei dem Gedanken, daß er das entzückende Weib nun ganz besitzen, für immer um sich haben sollte, es würde ihm helfen, leichter über alles hinwegzukommen, was noch Unangenehmes bevorstand.

Borgert hatte mit einem Schlage seine gute Laune zurückgewonnen, es war ihm fast wohl zu Mute. Denn jetzt bekam die ganze Flucht einen anderen Anstrich. Man würde sagen, sie seien aus Liebe mit einander geflohen. Skandal und Gerede gab das auch noch zur Genüge, aber die ganze Geschichte schien ihm gewissermaßen vornehmer, interessanter und entschuldbarer, als wenn es hieß, er sei auf und davon gegangen, weil er sich vor Schulden und den Folgen unsauberer Machinationen nicht habe retten können.

Einen Augenblick allerdings mischte sich in diese Freude ein Mahnruf des Gewissens, das ihm verbot, ein neues Verbrechen zu begehen. Aber dieser Mahnruf klang so schwach und kraftlos, daß Borgert ihn kaum empfand. Die Hauptsache war ja doch, ihm bot sich eine Annehmlichkeit, ein Vorteil, den er sich nicht entgehen lassen wollte, lediglich mit Rücksicht auf andere. Die kamen doch erst in zweiter Linie!

Denn je stärker der Egoismus im Menschen vorherrscht, umso leichter überwinden wir alle Regungen, alle sentimentalen Grübeleien, welche uns vor einer Sünde warnen, wenn wir aus ihr einen Vorteil zu gewinnen glauben, und nur dann weichen wir vom rechten Wege ab. Deshalb sind die größten Verbrecher auch die größten Egoisten.

So wanderte denn Borgert wohlgemut der Stadt zu und betrat die Post, wo er ein Telegramm an einen Althändler in der Nachbarstadt sandte und diesen um einen Besuch am nächsten Morgen bat.

Darauf begab er sich nach seinem Hause zurück und ging zu Leimann's hinauf.