Oberleutnant Borgert hatte es als seine letzte Aufgabe betrachtet, dem Rittmeister König für jenen Brief, mit welchem dieser sein Darlehnsgesuch abgewiesen hatte, ein Andenken zu versetzen.

Die ihm bekannte, vermeintliche Tatsache schien ihm ein geeignetes Werkzeug zur Rache, und so hatte er denn durch gelegentliche Bemerkungen im Kameradenkreise dafür gesorgt, daß das Gerücht immer mehr durchsickerte. Schließlich hatte die Rederei und der Klatsch solchen Umfang angenommen, daß nichts übrig blieb, als der Sache auf den Grund zu gehen.

König aber hatte keine Gelegenheit gefunden, sich selbst von dem ungeheuerlichen Verdachte zu reinigen, denn ihm gegenüber ließ man nie ein Wörtchen darüber fallen. Borgert hatte es fertig gebracht, eine allgemeine Mißstimmung gegen den sonst so beliebten Herrn zu erregen, und da dieser darauf nur mit einer kühlen Zurückhaltung antwortete, waren die Sympathien für ihn keineswegs gewachsen, vielmehr freute sich ein jeder im Stillen, daß es nun einen Sündenbock mehr gab.

Leutnant Bleibtreu hätte vielleicht seinen Schwadronschef rechtzeitig von dem umlaufenden Gerüchte in Kenntnis setzen können, aber da er sich gerade auf Urlaub befand und mit den gleichalterigen Kameraden keinen Briefwechsel pflegte, erfuhr er erst durch König selbst von dem traurigen Ereignis.

Gegen Gestellung einer hohen Kaution hatte man König aus der Haft entlassen, und so konnte er denn, vom Dienste suspendiert, in seiner Wohnung den Ausgang der Sache abwarten.

Anfangs war er fassungslos. Nach fünfzehnjähriger, vorwurfsfreier Dienstzeit beschuldigte man ihn eines gewissenlosen, gemeinen Vergehens, auf die Rederei eines moralisch verkommenen und von jedermann belächelten Menschen hin, der ihm nur zu Dank verpflichtet war.

Wo blieb das Vertrauen, die gute Kameradschaft, die man ihm sonst entgegen gebracht? War es nicht Pflicht der Vorgesetzten, diese für seine Verhältnisse höchst unwahrscheinliche Tatsache erst eingehend zu prüfen, bevor man aus ihr eine Beschuldigung formulierte, die geeignet war, seinen Ruf im Regiment und der ganzen Stadt völlig zu untergraben?

Hatte schon seine Verhaftung die übertriebensten Gerüchte und Klatschereien in die Welt gesetzt, so mied man ihn jetzt förmlich als einen Verbrecher, einen Verfemten, und zeigte mit Fingern auf ihn und seine Familie.