Nur Bleibtreu war fest von der Unschuld seines Freundes überzeugt, er kannte den Mann zu genau, als daß er auch nur einen Augenblick an König's Schuld glauben konnte.
Er brachte dies zum Ausdruck, indem er täglich, offenkundig vor aller Welt, König's Wohnung aufsuchte und die Abende im Kreise seiner Familie verbrachte.
Er schloß sich ihm auf seinen einsamen Spaziergängen an und setzte diesen Umgang auch fort, als man ihn seitens des Regiments vor König warnte und ihm die Kameraden sein Verhalten dadurch lohnten, daß sie ihn ebenfalls mieden und eine feindselige Stellung gegen ihn einnahmen.
Alle Anfeindungen jedoch vermochten nicht, ihn in's Wanken zu bringen, er hätte es für feige und niedrig gehalten, einen Freund im Unglück zu verlassen, der ihn in guten Tagen zu Dank verpflichtet.
Auch das gesamte Unteroffizierkorps des Regiments war bis zum gemeinen Mann hinab empört über die Art und Weise, wie man einen beliebten Vorgesetzten ins Unglück stürzte, und dies kam zum Ausdruck durch häufige Besuche einzelner Untergebener bei dem Rittmeister.
Selbst das Zivil, welches sich vom Oberst und den Herren des Regiments fast ganz zurückgezogen hatte, war mit Ekel und Widerwillen erfüllt gegen diese unwürdigen Zustände, und bezeugte seine Sympathie für König in auffälliger Weise.
Durch alle diese Umstände lernte König allmählich etwas heller in die Zukunft blicken, er tröstete sich über seine Lage mit dem Gedanken, daß die Gerechtigkeit siegen und einst der Tag kommen müsse, da er mit jenen zu Gericht ging, die ihm und seiner Ehre nahezutreten sich unterfingen.
Aber es war eine lange Geduldsprobe, die man ihm auferlegte.
Wäre der Fall ein solcher gewesen, daß er die öffentliche Meinung interessiert, dessen Ausgang in weitesten Kreisen Spannung und Neugierde erregt, vielleicht ein Totschlag, eine Mißhandlung oder ein ähnliches schwerwiegendes militärisches Vergehen, so würde man sich beeilt haben, durch schleunige Aburteilung die öffentliche Meinung zu beruhigen.
Hier aber schien es keine Eile zu haben; der Mann mußte eben ruhig warten, bis man Zeit für seine Sache fand! Was machte es denn, wenn er Monate lang in Ungewißheit schwebte und diese lange Zeit dem Gerede übelwollender Leute immer von Neuem reichlichen Stoff zuführte?