So fand erst nach sechs Wochen das erste Verhör statt, in welchem König Gelegenheit gegeben wurde, die ganze Angelegenheit aufzuklären und seine Unschuld nachzuweisen.

Er sollte sich aber getäuscht haben in der Hoffnung, damit das Ende des Prozesses nahe sehen zu dürfen, denn jetzt forderte man die Bücher der letzten drei Jahre ein, um sie einer Prüfung zu unterziehen. Dazu brauchte der Gerichtshof volle drei Monate.

Das Urteil in der Hauptverhandlung lautete auf Freisprechung.

Es war erwiesen, daß ein Eingriff in die Kasse der Schwadron nicht stattgefunden, sondern ein solcher nur vorgespiegelt war, um die Schwierigkeiten weiterer Geldbeschaffung darzulegen und so weitere Darlehnsgesuche abschneiden zu können.

König selbst hatte einen anderen Ausfall des Urteils für ausgeschlossen gehalten. Im Kameradenkreise rief dasselbe aber Ärger und Enttäuschung hervor, Genugtuung und Freude dagegen bei allen denen, welche dem Hause König wohlgesinnt waren und die Wahrheit der dem Rittmeister zur Last gelegten Tatsachen von Anfangs her bezweifelten.

Als vier Monate später die Urteilsbestätigung eintraf, begannen die Verhandlungen von Neuem, denn jetzt war es der Ehrenrat, welcher die ganze Angelegenheit einer nochmaligen Prüfung unterzog, ob König vielleicht in irgend einem Punkte die Standesehre des Offiziers verletzt habe und somit seitens des Ehrengerichts etwa noch eine besondere Bestrafung verdiene.

Daß nunmehr eine ungünstige Wendung der Dinge nicht mehr zu erwarten stehe, sagte König die ruhige Überlegung, denn selbst für den Fall einer Bestrafung konnte diese nur auf das Mindestmaß hinauslaufen und bedeutete somit keinen nachteiligen Schaden.

Deshalb empfand der Rittmeister diese Zeit nicht mehr als eine Prüfung des Schicksals, als eine Zeit der Ungewißheit, des Zweifels, sondern er fühlte sich ganz wohl in dieser Ruhe und Zurückgezogenheit, nachdem er sich einmal an sie gewöhnt.

Im Kreise seiner Familie kam er leicht über die Mißstimmung hinweg, welche sich manchmal noch bei ihm einschlich, und er verbrachte den Tag mit seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Klavierspiel, oder bei sonstiger Unterhaltung.

Frau Clara hatte die schwere Zeit mit bewundernswerter Energie überstanden.