Erst die beliebteste Dame des Regiments, verehrt und geschätzt von allen, dann die Gattin des Mannes, auf den man mit Fingern wies als einen Spitzbuben — ein gewaltiger Schritt, wie er das stolze Gemüt einer Frau nur zu demütigen und zu verletzen vermag.
Und doch war sie es, die stets von Neuem Sonne in die bedrückten Gemüter scheinen ließ, die mit oft mühsam erkünstelter Fröhlichkeit die Wolken der Sorge und der Verstimmung vertrieb.
Selbst Bleibtreu gewann in der Nähe dieser reizenden Frau stets seine gute Laune wieder, wenn er einmal den Lebensmut ob dieser Wirrnis von Gemeinheit und Widerwärtigkeit verlor.
Eines Tages trat er besonders niedergeschlagen bei Königs ein. Schweigsam nahm er Platz am Abendtische, und selbst Frau König's muntere Reden vermochten diesmal nicht, die Wolken von seiner Stirn zu scheuchen.
Erst als man den kleinen Sohn des Hauses zu Bett gebracht und um den runden Tisch in König's Arbeitszimmer saß, schlug der Rittmeister dem Freunde auf die Schulter und sagte scherzend:
»Was machen Sie denn heute für eine Leichenbittermiene? Ist zu Hause der Hafer schlecht geraten?«
Über Bleibtreu's Gesicht ging nur ein trauriges Lächeln, aber er entgegnete nichts.
»Nun sagen Sie doch, Mensch, was haben Sie denn?« begann der Rittmeister von Neuem.
»Mein Gesuch um Versetzung ist heute abschlägig beschieden worden,« entgegnete der junge Offizier mit bedrückter Stimme.