König entgegnete nichts, auch seine Gattin schwieg und schaute nur teilnahmsvoll auf ihren Freund.
»Und was gedenken Sie nun zu tun?« fragte der Rittmeister nach einer Weile.
»Ich habe heute meinen Abschied eingereicht.«
Einen Augenblick sah das Ehepaar betroffen den Sprecher an, dann aber streckte König seinem Freunde die Hand entgegen und sagte:
»Nun, daran haben Sie recht getan! Zwar bedaure ich Sie von Herzen, daß Sie sich jetzt in einem neuen Berufe einleben müssen, denn Sie sind noch jung, Ihr Leben ist noch lang. Aber ich verstehe die Beweggründe, welche Sie zu diesem Schritt veranlaßt haben. Sie haben als junger Offizier Dinge erlebt, die mich in meinen alten Tagen nicht weniger berühren, und ich kann es begreifen, wenn Sie die Achtung vor dem Berufe verloren haben, der Ihr bisheriges Leben ausgefüllt hat. Ich hätte Ihnen gewünscht, in einer anderen Garnison, unter anderen Verhältnissen und anderen Menschen erfahren zu können, daß es noch Offizierkorps gibt, in denen man leben und sich dieses Lebens freuen kann. Da Ihnen dies aber versagt ist, ist es das Beste, wenn Sie dem Soldatenstande den Rücken kehren. Ich selbst hätte Ihnen den Rat schon früher gegeben, hätte ich nicht Bedenken getragen, Sie zu einem Entschlusse zu drängen, den Sie später bereuen könnten. Um Ihnen zu zeigen, daß ich aus Überzeugung spreche, will ich Ihnen nur sagen, daß auch ich mich mit Abschiedsgedanken trage.«
Diesmal war es Bleibtreu, der mit weit aufgerissenen Augen auf den Rittmeister schaute.
»Aber warum denn?« brachte er erstaunt hervor, »Sie werden doch versetzt!«
»Gewiß, ich werde versetzt. Aber mir geht es wie Ihnen: meine Achtung vor dem Stande, dem ich fünfzehn Jahre in Ehren angehört habe, ist dahin. Zwar habe ich in früherer Zeit bessere Verhältnisse kennen gelernt, aber daß es in einem Offizierkorps Zustände geben kann, wie in dem unseren, das hat mir gezeigt, daß ich nicht hineinpasse. Wer verspricht mir, daß ich in einer anderen Garnison nicht Ähnliches erleben muß? Außerdem kann ich wohl mit Sicherheit voraussehen, daß man mich nicht in eine Residenzstadt stecken wird.«
»Und warum nicht?« fragte Bleibtreu.
»Semper aliquid haeret, mein Lieber, zu Deutsch: >etwas bleibt immer daran hängen<, außerdem steht mir noch eine Bestrafung seitens des Ehrengerichts bevor, also auch eine minderwertige Garnison.«