»Hier ist es!« entgegnen Borgert und warf einen kleinen Revolver auf den Tisch.
Ein Schauer durchzuckte die Frau und einen Augenblick lehnte sie wie ohnmächtig an der Wand, während die weitgeöffneten Augen entsetzt auf das kleine Ding gerichtet waren, dessen Metall im Widerschein des Feuers leuchtete.
»Um Gottes Willen!« stieß sie atemlos hervor, »bist du von Sinnen?«
»Im Gegenteil«, erwiderte Borgert kühl, »es ist der einzige Weg, der uns erlösen kann, und nicht zum ersten Male kommt mir der Gedanke. Ist es nicht besser, diesem Hungerdasein und Hundeleben ein kurzes Ende zu machen, als sich vielleicht noch Jahre lang herumzuquälen in Not und Unsicherheit?«
Frau Leimann tat sinnend einen Schritt nach dem erlöschenden Feuer hin, wie wenn es sie anzöge, um mit seiner wohltuenden Wärme das erstarrte Blut in ihren Adern neu zu beleben. Ihr Blick hing wie gebannt auf einem vergilbten Stahlstich über dem Kaminsims, der das Festgelage eines alten englischen Königs darstellte. Wie geistesabwesend schaute sie mit gläsernen Augen auf das Bildnis, welches so recht die Freuden des Lebens zu malen schien. Sie merkte es nicht, als Borgert leise hinter sie trat.
Ein Schuß krachte und mit einem Aufschrei brach die Frau zusammen. Die linke Hand griff wie Hilfe suchend in den Feuerschein, und die kleinen blauen Flämmchen spielten ersterbend um die weiße Frauenhand, aus der mit dem Blute das Leben entwich.
Einen Augenblick starrte der Mörder mit entgeistertem Blick auf das leblose Weib, dann richtete er die Waffe gegen sich, und ein zweiter Schuß setzte seinem Leben ein Ziel: er büßte im Tode die vielfache Schuld, die ihm das Leben verleidet.
Als man nach vier Tagen auf einem entlegenen Friedhof, weit draußen am Themsestrand, die irdischen Reste des jungen Paares einscharrte, wußte niemand, wem auf der weiten Welt es angehörte: niemand ahnte das Drama seines Lebens und die Sünden, die ihm der Tod verzieh.