»Aber ich bitte Sie, gnädige Frau, Sie scheinen an meiner guten Erziehung zu zweifeln, trauen Sie mir so etwas zu? Und überhaupt, wie könnte........«

Er brach seine Rede ab, denn Frau Kahle hatte sich erhoben, um Abschied zu nehmen, mit ihr Leutnant Pommer, welchen sie um Begleitung bat, denn ihr Gatte befand sich auf einer Dienstreise.

Der Kreis war somit wieder etwas kleiner geworden, und als man von neuem um den Tisch Platz genommen hatte, bemerkte Borgert:

»Dieser Kahle mit dem Schusterjungengesicht könnten wir eigentlich einmal ein neues Kleid schenken, außer der verwaschenen Fahne, die sie immer trägt, scheint sie nichts zum Anziehen zu haben.«

»Sie sollten sie erst einmal im Hause sehen,« entgegnete wegwerfend Müller, »da sieht sie aus wie ein malproperes Dienstmädchen; das schmutzige Hauskleid einmal zu flicken, scheint sie auch keine Zeit zu haben, ihr Junge läuft ebenfalls immer herum wie so ein Gassenbube aus der Unterstadt. Außerdem kann der Bengel schon lügen, daß es eine Lust ist.«

»Das hat er von seiner Mutter!« lachte Borgert, als ihn ein vorwurfsvoller, kalter Blick aus Frau Königs Augen traf und zum Schweigen brachte. So ward die Unterhaltung allmählich eintöniger. Der Rittmeister gähnte schon etwas deutlicher, und Leimann war ganz in seinem Sessel zurückgesunken und hielt nur noch mühsam die Augen auf, während seine Gattin eine äußerst gelangweilte Miene zeigte, wodurch ihre Züge alle Anmut und Schönheit verloren und alt, ja abgelebt erschienen. Müller verdaute noch immer, und so schien es an der Zeit, sich zum Aufbruch zu rüsten.

Unter lebhaften Versicherungen, wie reizend der Abend gewesen, trennte man sich, und der Rittmeister geleitete seine Gäste die Treppe hinab, um dann den Riegel an der Haustür vorzuschieben.

Als er wieder im Wohnzimmer stand, sagte er, die Gasflammen ausdrehend, zu Frau Clara: »Ein interessanter Abend! Vor diesen beiden Herren heißt es sich in Acht nehmen!«