»Hat er es getan?« rief er dem Freunde entgegen.
»Natürlich, ohne Weiteres! Gehen Sie um elf Uhr auch zu ihm, Sie haben ja nur zweihundert Mark Rest von Ihrer letzten Gesellschaft her, er tut es glatt; was dem einen recht ist, ist dem anderen billig.«
Und als am Mittag die beiden Freunde im Kasino bei einer Flasche Eckel saßen, sah man an Leimann's ausgelassener Heiterkeit, daß auch er keine Fehlbitte getan. —
Pünktlich um fünf Uhr standen sämtliche Herren des Offizierkorps mit Säbel und Mütze im Lesezimmer des Kasinos, als der Oberst mit Dienstmiene eintrat und von den Schwadronschefs die Meldung entgegennahm, daß »Alles zur Stelle« sei.
»Meine Herren,« begann der Gestrenge, »ich habe Sie hierherbefohlen, um Einiges mit Ihnen zu besprechen. Ad 1. Ich möchte Sie ersuchen, bei Bällen und ähnlichen Gelegenheiten Tanzsporen zu tragen, damit unangenehme Zwischenfälle, wie vorgestern Abend, vermieden werden. Ein Herr, den ich nicht nennen will«, — dabei fixierte er scharf den Leutnant von Meckelburg — »hat nämlich mit seinen Sporen der Gattin des Herrn Rittmeisters Stark den ganzen Saum vom Kleide gerissen. Das darf nicht vorkommen, meine Herren, und ich werde künftig in ähnlichen Fällen Bestrafung eintreten lassen. Ferner ist es unter wohlerzogenen Menschen üblich, einer Dame nicht zuerst die Hand zu reichen. Tut es die Dame aber, dann erfordert wohl der gute Ton den in unseren Kreisen üblichen Handkuß. Daß einige von Ihnen, meine Herren, in diesem Punkt noch der Erziehung und Nachhülfe bedürfen, beweisen mir die diesbezüglichen Klagen einer Dame des Regiments.« Das bezog sich darauf, daß Leutnant Bleibtreu es kürzlich vorzog, Frau Stark gegenüber diese Höflichkeit zu unterlassen, da sie Handschuhe aus Hundeleder trug, welche noch dazu vom Regen durchnäßt waren.
Eine Träne zu Boden schleudernd, fuhr er fort:
»Ferner, meine Herren, verbiete ich Ihnen, eine andere Stadt ohne Urlaub aufzusuchen. Wer hinüber nach dem Nachbarort will, hat mich um Urlaub zu befragen, wenn der Weg auch nur ein paar Minuten weit ist. Sie wissen alle, daß zwei Herren des Regiments unter betrübenden Umständen ihren Abschied nehmen mußten, weil sie dort das Pflaster nicht vertragen konnten und Schulden in kaum glaubhafter Höhe gemacht haben.«
»Gestatten Herr Oberst eine Frage?« unterbrach ihn Rittmeister König.
»Bitte schön, Herr Rittmeister!«