Borgert hatte in der Nähe gestanden und den Ausführungen des Rittmeisters aufmerksam gelauscht, denn wenn zwei etwas zu reden hatten, fehlte er nie im Hintergrunde. Im Stillen lächelte er über diese beiden Grübler, welche offenbar die Vorteile, die sich ihnen boten, nicht zu würdigen verstanden. Warum dachten sie nicht wie er? Das Leben genießen, wie es kommt, und die Feste feiern, wie sie fallen! Das war sein Standpunkt, und deshalb schmeckte ihm der unbezahlte Sekt so gut! Er fühlte sich ganz wohl in diesem kleinen Nest, denn hier gab es mitunter ein kleines Skandälchen, das ihm in der früheren Garnison so sehr gefehlt. Als man aber seine Vorliebe für solche Art von Abwechslung entdeckt, schickte man ihn an die Grenze, wo er sich austoben konnte zu Nutz und Frommen seiner Kameraden.

Mit halbgeschlossenen Augen und überlegener Miene stand er an den Türpfosten gelehnt, als er sich plötzlich aufmerksam umsah.

Wo war denn der dicke Pommer? Er hatte ihn doch noch eben ziemlich betrunken zwischen den Damen herumstolpern sehen, jetzt war er fort. Und Frau Kahle? Richtig! Auch weg. Schnell auf die Suche also, vielleicht konnte er noch ein neckisches Schauspiel erleben.

So schlich er denn hinaus in den Garten, nachdem er die Cigarre zur Seite gelegt, damit sie ihn nicht verraten solle. Der Mond hatte sich diskret hinter dem Horizont versteckt, um nicht mit anzusehen, was da unten hinter den Büschen vor sich ging, nur matt erleuchteten seine Strahlen eine Wolkenschicht, welche über seinem Versteck schwebte.

Und richtig! dort saßen sie, eng aneinander geschmiegt, auf der schmalen Holzbank an der Gartenmauer. Die Nachtigall sang noch immer, nur etwas weiter in der Ferne. Pommer sprach konfuse Worte, ohne sich sonderlich Mühe zu geben, nicht laut zu sein, Frau Kahle lehnte mit dem Kopf an seiner Schulter und lauschte den Tönen der Liebe, die ihr Ohr seit dem ersten Jahre der Ehe nicht mehr vernommen. Ab und zu küßte der Leutnant schmatzend die kleinen Hände und den Mund der jungen Frau. Sein rechter Arm umschlang fest die zierliche Taille, und die große Hand ruhte auf ihrem wogenden Busen.

»Siehst du, Grete, geliebte Grete, du mußt dich freimachen von diesem Mann, er ist ein Tyrann, hat kein Gefühl und ist auch viel zu groß für dich!«

»Er ist ein guter Kerl, aber er versteht mich nicht! Ich muß jemand haben, der mich versteht und wirklich liebt. Ich will dir das Leben so schön machen, wenn du müde vom Dienst nach Hause kommst und du sollst es so gut haben!«

»Wie ich dich lieb habe, du kleiner, süßer Racker!«

»Ich dich auch, Hans! Und denke nur, das hat mich furchtbar gekränkt, mein Mann hat das ganze vorige Jahr mit der Frau vom Amtsrichter herumgeliebelt, die doch dazu gar nicht schön und schon ziemlich alt ist. Kürzlich ist er sogar der alten Hebamme nachgelaufen, die er nicht erkannte, weil sie ein Tuch um den Kopf trug. Sie hat ihn mit ins Haus gelockt und dann ganz ruhig ihr Tuch abgenommen. Dann sagte sie: »So, Herr Rittmeister, das werde ich Ihrer Frau erzählen, was Sie für ein Bürschchen sind!« Und sie hat es mir erzählt.«

»Das kannst du dir nicht gefallen lassen, Grete, das würde ich nie tun!« Dabei umschlang er sie mit sinnlichem Verlangen so fest, daß sie leise aufschrie.