Mühsam und keuchend kroch er aus dem Bett und in die Hosen hinein, dann machte er etwas Toilette. Es war ihm alles gleich heute, sein Kopf schmerzte ihn zu sehr, und dabei immer der Gedanke an das Ereignis von gestern! Es war unerträglich! Mißmutig ließ er sich auf einen Stuhl nieder, und als der Bursche vom Kaffeebrett den Löffel fallen ließ, fuhr er ihn wütend an:

»Dummes Schwein, mache nicht so einen Radau, sonst fliegst du vor die Tür.«

Pommer versuchte sich ganz genau die Ereignisse des gestrigen Tages vor Augen zu führen, und je mehr sie ihm ins Gedächtnis zurückkehrten, umso größer ward sein Entsetzen über seine Handlungsweise.

Was hatte er getan! Die Frau eines Kameraden verführen wollen, er, dessen Ansichten und Grundsätze sonst so streng waren, der doch fast als einziger bei den Kameraden etwas galt, wenn er ihnen schonungslos den Kopf zurechtsetzte, denn jedermann wußte, er redete nicht nur, sondern lebte auch nach dem, was er anderen predigte.

Sein früheres Leben ließ er an seinem Geiste vorüber ziehen. War da irgend ein schwarzer Punkt, ein Makel zu finden? Nein, rein und fleckenlos lag die Vergangenheit hinter ihm, und jetzt, nachdem er die Klippe der leichtsinnigen Jugendjahre unversehrt überwunden, lud er eine so schwere Schuld auf sich, er betrog einen Kameraden mit seiner Frau! Pfui!

Aber hatte sie ihm nicht selbst gesagt, daß sie unglücklich sei, von ihrem Gatten schlecht behandelt werde, sodaß sein Tun als entschuldbar, vielleicht sogar edel erscheinen durfte?

Nein und abermals nein, er hatte gefehlt, schwer gesündigt an dem Heiligsten, was ein Mann sein Eigen nennt.

Die ehrenhafte Gesinnung des Offiziers lag in hartem Kampfe mit ihm selbst, er zweifelte an der Lauterkeit seiner Gesinnung, und diese Qualen waren ihm eine Folter.

Das Blut stieg ihm zu Kopfe, es tanzte ihm vor den Augen, sterben hätte er mögen, nur schnell sterben, nachdem er so die Moral mit Füßen getreten und sein Gewissen mit einem Fluch belastet hatte, der ewig auf ihm ruhen mußte.

Aber wie hatte es nur kommen können, daß er sich so vergaß?