Der verdammte Sektfrühschoppen mit dem leichtsinnigen Saufaus, dem Borgert, und dann das schwere Türkenblut, das Müller zum Essen spendierte, weil er eine Wette verloren, und dann die unselige Maibowle am Abend, das alles hatte ihm, der selten ein Glas Wein zu trinken pflegte, den klaren Verstand geraubt! Die gemeinen Kerle, die das merkten und ihm immer mehr zu trinken gegeben hatten, wahrscheinlich weil er sie in der Trunkenheit amüsierte!
Freilich mochte er die kleine zierliche Frau gern leiden, sie war so ganz nach seinem Geschmack, niedlich, mollig und zutunlich. Oft verlieben sich große, starke Männer in kleine Frauen. Aber so etwas wie gestern war ihm doch nie in den Sinn gekommen, es war ihm unerklärlich. Er mußte hingehen und tausendmal um Verzeihung bitten, rückhaltlos seine Sünde eingestehen, das konnte seine Schuld etwas mindern, wenn auch nicht tilgen.
Da klopfte es an der Tür. Als wenn der Rachegeist schon selbst erscheinen müsse, fuhr der gequälte Mann zusammen und ließ ein dumpfes »Herein« ertönen.
Oberleutnant Borgert trat über die Schwelle, den Helm in der Hand. Er schien etwas erstaunt, den Kameraden in diesem Zustande vorzufinden, dann aber nahm er ihn scharf ins Auge und sagte:
»Verzeihung, wenn ich störe, aber eine peinliche Angelegenheit veranlaßt mich, mit Ihnen zu reden.«
»Dienstlich oder privat?« brummte Pommer.
»Beides, wie Sie wollen,« antwortete Borgert dreist.
»Für Privatsachen bin ich jetzt nicht in Stimmung. Bitte lassen Sie uns den Fall ein andermal besprechen.«
»Bedaure sehr, ich wünsche den Fall jetzt zu erledigen. Sie wissen wohl, daß ich als Dienstälterer das Recht habe, Sie wegen einer Angelegenheit zur Rede zu stellen, wenn ich es für nötig halte.«