Der letzte der Herren war Leutnant Kolberg, ein auffallend blaß aussehender junger Mann mit kühn emporgewirbelten Schnurrbartenden. Er führte ein unsolides Leben und rühmte sich einer bewegten Vergangenheit.

Während man der noch fehlenden Gäste harrte, bildeten sich einige Gruppen. Leutnant Kolberg war ebenfalls zu Frau Kahle getreten und maß sie von oben bis unten mit wohlgefälligen Blicken. Der Adjutant suchte von Frau König zu erforschen, was es zu essen gäbe, und als er es erfuhr, behauptete er sofort, es sei sein Leibgericht. Der Landrat plauderte mit dem Rittmeister über eine Weinreise, die sie gemeinsam zu unternehmen gedachten, um den Keller mit neuen Schätzen zu füllen.

Wieder ging die Tür auf, und herein schwebte eine ungeschickt gepuderte, aussagend korpulente Dame in einem schwarz und gelben Kleide, dessen Machart sich mit den unpassend zusammengestellten Farben in Geschmacklosigkeit überbot. Sie stürzte sofort auf Frau Clara zu, drückte ihr mit den rundlichen Fingern die Hand und gab ihrer Freude über die erhaltene Einladung Ausdruck. Den anwesenden Herren hielt sie die fleischige Rechte so dicht unter die Nase, daß diesen gar nichts anderes übrig blieb, als den obligaten Handkuß darauf zu drücken.

Es war Frau Rittmeister Stark, die jüngste Gattin im Regiment, wenn sie auch weit über fünfzig Lenze zählte.

Ihr folgte tänzelnden Schrittes der eben so rundliche Gemahl. Er trug einen schwarzen Spitzbart und einen langen Nagel am kleinen Finger, dessen Pflege täglich längere Zeit in Anspruch nahm.

Seine Stimme verriet, daß ihr Besitzer einem guten Trunk nicht abhold war.

Hinter dem Ehepaar tauchte plötzlich die Gestalt des Kommandeurs auf.

Alle traten ehrfurchtsvoll zur Seite und machten eine tiefe Verbeugung vor ihm, während er auf Rittmeister König und Gattin zuschritt. Die krummen Beine im Verein mit dem derben Gesicht gaben der ganzen Erscheinung des Obersten von Kronau nicht viel von dem, was man sich unter einem Regimentskommandeur vorstellt, in Civil hätte man ihn vielleicht für einen Agrarier gehalten, dessen Sprache den Masuren nicht verleugnen konnte. Auch blinkte ihm stets eine Träne im Auge, welche er, sobald sie ihm entsprechend groß erschien, durch eine stereotype Kopfbewegung seinem Gegenüber vor die Füße oder auf den Rock zu schleudern liebte.

Die ihm folgende Dame mit dem Gouvernantengesicht, in ein schlecht sitzendes perlgraues Kostüm mit rotem Sammetkragen gezwängt, war seine Gattin.

Fast zu gleicher Zeit erschien auch der noch fehlende Teil der Gesellschaft, an der Spitze Oberleutnant Borgert. Seine stechenden Augen ruhten nur selten auf dem, welchen er einer Ansprache würdigte, seine Figur war korpulent, dabei aber elastisch und schmiegsam. Hinter ihm stand der Oberleutnant Leimann, eine kleine, etwas gebeugte Erscheinung mit einem Buckelansatz und viel zu kurzem Halse. Zwischen den hochgezogenen Schultern saß ein birnenförmiger Kopf mit zwei kleinen Schweinsäuglein, welche meist unstät umherirrten oder so zusammengekniffen waren, daß man sie nicht sah. Das an einer Schnur hängende Einglas setzte er nie auf, denn er fürchtete, sich lächerlich zu machen.