Schmitz war Futtermeister der vierten Schwadron und ebenfalls zur Reserve kommandiert. Er versah sein Amt vortrefflich, wer sich davon überzeugen wollte, brauchte nur einen Blick auf die Pferde zu werfen, wie sie glänzten im Haar, wie schön rund und sauber sie im Stroh standen. Der Stall selbst war stets ein Muster von Sauberkeit, kein Strohhalm hing aus den Ständen heraus auf den blank gefegten Damm, die Wände waren schön weiß gekalkt und die Fenster klar und hell.

Wenn Schmitz den Stall zwischen den Pferdereihen hinabging, dann war es geradezu drollig anzusehen, wie alle Tiere seinen Tritt, seine Stimme kannten, wie sie die Köpfe nach ihm wandten und leise wieherten, wenn er den einen oder anderen seiner Lieblinge anrief. Da war das »Klärchen«, ein reizendes Füchschen, das ihm nachlief wie ein Hund und immer mit den Nüstern an seinen Taschen nach einem Stück Zucker schnüffelte, dann sich auf die Hinterbeine stellte oder bittend einen Vorderfuß erhob, und die »Ahnfrau«, ein altes kleines Pferdchen mit tiefschwarzem Glanzhaar, das wegen seines Alters aller Liebling war und oft mit Leckereien bedacht wurde.

Der besondere Stolz des Futtermeisters aber waren die zwölf Chinesen. Sie hatten den ostasiatischen Feldzug mitgemacht und waren dann in das Regiment eingestellt worden, schöne Pferde mit herrlichem Haar und kräftigen Knochen, wenn auch nicht alle so groß wie »Peiho«, »Wu« und »Kwangsü«. —

Die beiden Freunde saßen noch plaudernd am Kaffeetisch, als Frau Roth eintrat, eine mittelgroße Brünette mit kleinen Augen und einer gebogenen Nase. Ihr Gesicht hätte dem eines Vogels gleichen können, doch verlieh das wellige, kastanienbraune Haar dem an sich nicht schönen Kopf einen gewissen Reiz. Sie hielt ein Servierbrett, mit einer gestickten Serviette überdeckt, in den Händen, darauf stand eine Flasche Moselwein, drei Gläser und eine schmale Zigarrenkiste.

»Donnerwetter Roth, bei dir geht's heut aber mächtig üppig zu! So eine Feier lasse ich mir gefallen,« rief Schmitz erstaunt.

»Man hat nur einmal im Jahr Geburtstag, da kann man schon etwas springen lassen. Schenk' ein, Alte!«

Die Frau goß die Gläser bis zum Rande voll, daß sie fast überliefen. Ein freudiges »Prost« ertönte, und alle gossen auf einen Zug das edle Naß hinunter. Dann hoben sie noch einmal die Gläser zu einander und sahen sich an. Das hatten sie den Herren Offizieren abgelauscht.

Die beiden Männer zündeten sich eine Cigarre an, welche zur Feier des Tages eine Leibbinde trug, und füllten die Gläser von Neuem. Eine Stunde war ja noch Zeit bis zum Abendstalldienst, und vorher gab es nichts zu tun, denn Oberleutnant Specht, der die Reserve-Eskadron führte, kam des Nachmittags nie zum Dienst, man hatte also Ruhe.

»Fährst du Weihnachten auf Urlaub?« fragte Roth seinen Freund.

»Weiß noch nicht!« gab Schmitz achselzuckend zur Antwort. »Ich möchte ganz gern, ich bin jetzt zwei Jahre nicht aus dem Drecknest fortgekommen. Aber es lohnt sich auch gar nicht, für die paar Tage eine solche Reise zu machen, denn bis ich hier vom Ende der Welt nach Hause komme, brauche ich achtundvierzig Stunden, Rückreise ebensoviel, das macht vier Tage und mehr wie sechs gibt es nicht. Die Sache ist auch verflucht teuer!«