»Laß sie doch gehen, wohin sie will, Max,« entgegnete Frau Weil gleichgültig, »was kümmert's uns? In ein paar Tagen geht sie ja doch fort, und schließlich ist sie ja allein für ihre Handlungen verantwortlich!«
Weil aber schüttelte den Kopf und ging nach seinem Arbeitszimmer.
Die Uhr zeigte schon acht, und Frau Kahle war noch immer nicht zurück. Man begann unruhig zu werden und sich um den Gast zu sorgen. War ihr etwas zugestoßen?
Das Dienstmädchen deckte im Nebenzimmer gerade den Tisch, als das Ehepaar seinen Vermutungen über die verschiedenen Möglichkeiten Ausdruck gab, welche das Ausbleiben ihres Gastes verursacht haben könnten.
»Minna,« wandte sich Frau Weil an das Dienstmädchen, »es ist am besten, Sie gehen einmal hin zu Frau Pfarrer Klein und fragen an, ob Frau Major Kahle noch da ist, ich habe keine Ruhe, bis ich weiß, wo sie ist.«
»Bei der Frau Pfarrer wird sie aber nicht sein, gnädige Frau,« entgegnete das Mädchen, »ich habe die gnädige Frau gegen halb Fünf oben in der Allee gesehen, als ich Milch holen ging, die Frau Pfarrer wohnt ja hinter der Kirche.«
»Dann hat es keinen Zweck, hinzuschicken,« sagte achselzuckend der Oberleutnant, »ich werde wohl recht behalten, es war nur ein Vorwand, um nicht zu sagen, wohin sie in Wirklichkeit gegangen ist. Ich denke mir mein Teil!«
»Was denkst du dir, Max,« fragte neugierig seine Gattin, »wo soll sie denn sein?«
»Beim Kolberg ist sie, ich wette meinen Kopf!«