Anne Marie, o gib mir einen Kuß!

Küsse mich, küsse mich, das ist Genuß!«

So geht es weiter, Ernstes und Heiteres durcheinander, ab und zu wohl auch mit einem Gassenhauer, der oft gerade mit der schönsten Melodie in unser Ohr hineinhüpft, bis allen den lustigen Brüdern von wanderfreudigen Tertianern das Herz im Leibe lacht und springt und der Doktor Fuchs ausruft: »Dicker! Junge! Du bist ja ein reiner Künstler! Du mußt einmal Musik studieren!«

»Jawohl,« setzt Puntz seine melodienreiche Harmonika ab, »Musik studieren! Hinten bei den Stampfmaschinen in unserer Fabrik! Damit dürfte ich meinem Vater gerade kommen!«

Die andern quälen und wollen noch mehr haben; der Dicke aber behauptet, er hätte keine Puste mehr im Leibe; jetzt wäre auch der Herr Doktor Fuchs wieder an der Reihe; der hätte noch was von den Ameisen erzählen wollen.

»Richtig!« sagt da Doktor Fuchs auch. »Aber da muß ich erst den Dittmer fragen, ob er weiß, woher bei der Ameisengeschichte der brennende Schmerz gekommen ist, den er empfunden hat.«

»Na, freilich,« sagt der knurrig, »die Bande hat mich gezwickt.«

»Ja, und in die Wunde bringt die Ameise dann noch eine Säure, die nach ihr Ameisensäure genannt wird. Ähnlich wie bei der Brennessel. Diese Säure ist schon stark genug, daß sie auch sowieso auf der Haut einen brennenden Schmerz verursacht. Diesen Saft kann das kleine Vieh in der Wut oder in der Angst etwa einen halben Meter weit wegspritzen.«

»Aber, Herr Doktor!« – Nun hagelt’s geradezu Fragen. – »Ist denn die Ameise wirklich das klügste Tier?«

»Nun, zweckdienlich handelt ja wohl jedes Tier; aber sicher ist es, daß die Ameisen unter allen Insekten die größten geistigen Fähigkeiten zeigen.«