»Also, Doef, nicht wahr, alles mit Maßen!«
Der wackre Kerl scheint mit sich selber zu kämpfen. Schließlich aber sagt er doch: »Ja!« Und wenn Doef »ja« sagt, dann – weiß Doktor Fuchs – kann er sich auf ihn verlassen; denn schon muß er wieder fort, da eben hinten der Spektakel von neuem angeht. –
»Du, Doofkopp!«[16] nimmt Fritze Köhn jetzt schnell das Wort. »Haste’t jehört? Alles mit Maßen! Du sollst uns also ruhig ’n bißken Radau machen lassen!«
[16] Doof = taub, dumm.
Doef aber macht ein trauriges Gesicht und sagt endlich schweren Herzens: »Nee! So hat’s Fuchs nich jemeint!«
Da haben die andern erkannt, worauf es ankommt. Und als jetzt einer vorschlägt: »Dann drängeln wir lieber den Doef raus!« da sind alle dabei und fassen zu.
Ja wohl aber! Proste Mahlzeit! Sie haben die Kraft ihres Feldwebels ganz elend unterschätzt. Im nächsten Augenblick sind die neun Jungen, die doch eben noch vor ihrem Ordinarius friedlich zusammenstanden, ein unentwirrbarer Knäuel von Armen und Beinen, ein Knäuel, in dem es stöhnt und ächzt, brandet und wogt, stürmt und braust, bis auf einmal diese lebendige Kugel aufbricht und mit Bumsen und Dröhnen ein paar Tertianer an die Seitenwände und auf die Bänke fliegen. Doef aber hebt sich aus der Flut empor wie ein Herkules und immer noch felsenfest auf seinen Beinen.
Da drängen auch schon die andern aus dem Nebenabteil heran. »Gott im Himmel! Hier ist wohl Mord und Totschlag? Was ist denn los?«
Fritze Köhn steht tief aufatmend und mürrisch dem Fenster zunächst. »Wat hier los is? Meine Hosendräjer sint los! Weiter nischt!«
Auch den Doktor Fuchs hat der Lärm angezogen. »Donnerwetter, Jungs, was macht ihr denn nun schon wieder?«