Die andern Jungen haben sehr verständnisinnig zugehört und ab und zu sogar genickt. Übrigens sind die Arbeiten auch durchgehends äußerst nachlässig gemacht, so daß Doktor Fuchs endlich kurzerhand das Buch auf die Nase legt und erklärt: »Na, meinetwegen! Die Parade! Aber nun, Jungs, möchte ich doch auch mal fragen: Wer von euch hat sich überhaupt die Parade oder den Aus- oder Einmarsch der Truppen angesehen? Hand hoch!«

Er hat wohl gedacht, die Hände werden nur alle so hochschießen! Weit gefehlt! Er zählt und zählt, und er zählt nur einundzwanzig Mann. Einundzwanzig von sechsunddreißig! Also eine Kleinigkeit über die Hälfte der Jungen hat was von der Parade gesehen!

»Na, Ernst?« – Ernst Ehrenfried, das ist der Primus. – »Warum bist du denn nicht zur Parade gegangen?«

»Ich – hatte – keine – Zeit!«

»Ach, Zeit!«

»Ja, meine Tante war nicht da!« – Es kommt das alles recht verlegen und ungeschickt heraus. – »Ich mußte da zu Hause bleiben!«

Der Ordinarius scheint mehr von Ehrenfrieds Verhältnissen zu wissen als alle die andern Jungen zusammen; er läßt den Primus jetzt ruhig laufen und wendet sich an den Sekundus, den Tauscher.

Der druckst auch so herum. Schließlich aber bequemt er sich doch zu der Antwort: »Ich durfte nicht. Meine Eltern sagten, es wäre zu viel Gedränge!«

Auch diese Erklärung scheint der Ordinarius ganz plausibel zu finden. Er wendet sich einfach wieder zu der ganzen Klasse: »Wer hat denselben Grund? Aber ehrlich!«

Langsam und zögernd kommen die Jungen hoch und tun etwas verschämt dabei: es sind außer dem Sekundus noch acht. Hier und da wird wie zur Entschuldigung gesagt: »Nach der Belle-Alliance Straße zu war es ganz schwarz von Menschen!«