»Na, wer bleibt denn nun noch übrig?«
Fünf Mann erheben sich, langsam oder schnell, je nach dem Temperament der Jungen. Einer davon meldet sich krampfhaft, sieht aber dabei immer noch fragend nach den andern zurück: »Herr Doktor! Herr Doktor!«
»Also?«
»Ich habe mit Haeseler und Forster und Bonin eine Partie durch den Grunewald gemacht. Mein Papa hat gesagt, wir sollen uns recht gesund machen; da täten wir dem Kaiser einen größeren Gefallen, als wenn wir ihm auf dem Tempelhofer Feld Staub schlucken helfen.«
Der Ordinarius darf sich nicht merken lassen, daß das hier etwas sonderbar und doch auch wieder drollig genug klingt. Der Vater, der dieses Kraftwort gesprochen, gehört selber dem Wehrstande an, und der Junge – das weiß ja jeder in der Klasse – der will auch einmal Offizier werden. Zur Parade aber ist er doch nicht gegangen.
»Also setzen! – Ja! Was? Wo? Da war ja noch einer! – Karnagel!«
Der Junge ist recht bedrückt wieder aufgestanden und sieht seinen Ordinarius scheu und von unten herauf an, wie ein geprügeltes Hündlein: »Ich habe auch nicht gedurft!«
»Na, warum denn nicht, Otto?«
Im nächsten Augenblick tut es dem Doktor Fuchs schon wieder leid, daß er den kleinen Karnagel nicht einfach übersehen hat; er erinnert sich, daß der Vater des Jungen oft seltsamen Erziehungsprinzipien huldigt. Aber es ist zu spät; denn ein anderer Junge ist schon aufgesprungen und platzt los: »Herr Doktor! Karnagel darf jetzt nicht raus, weil er das letzte lateinische Extemporale mangelhaft geschrieben hat!«
»Herr Doktor! Herr Doktor!« will jetzt auch noch ein anderer seine Weisheit an den Mann bringen. – Grausame Kreatur doch, solch Tertianer! Es wird ihm niemals beikommen, daß er mit dem, was er sagen will, einem andern wehe, sogar sehr wehe tun kann! – »Herr Doktor! Karnagel kriegt jetzt auch keinen Belag auf die Stulle! – Doch! Ich weiß es!«