Mochte nun der alte Professor glauben, daß auch alle andern die Regeln so herbeten könnten, wie die, welche er zufällig zuerst aufgerufen hatte; oder wollte er wirklich noch recht viel Übungssätze dazu Übersetzen lassen: kurz, er ließ bald das Übungsbuch aufschlagen. Gemütlich war so was nun zwar erst recht nicht; aber man fiel dabei doch nicht mit Tadel oder Stunde hinein.

Heute aber sollte die Sache doch aus einem andern Loch pfeifen. Der Rippach, der Junge der dumme, übersetzte geradezu gottsjämmerlich schlecht; so schlecht, daß es wahrhaftig kein Wunder war, daß der alte Bumsvallera schließlich sein Buch hinlegte und den dummen Kerl anherrschte: »Siehst du! Siehst du! Du kannst die Regeln nicht! Nun sag’ sie auf!«

Der Junge fand sich nicht hinein.

»Na also! Du hast nicht gelernt! Sei ruhig! Nicht, wie du sollst! Du kriegst einen Tadel!« –

Dem Dicken und manchem andern noch wurde es schwül dabei. Hie und da schlug dieser Tadel wie ein Blitz in die Klasse ein; ein halbes Dutzend der Jungen stand schon mit dem Namen im Klassenbuch. Jeden Augenblick konnte der Dicke auch drankommen. Und konnte er dann diese verzwickten Regeln nicht anwenden, und konnte er sie dann nicht auch am Schnürchen und durcheinander herbeten, dann –! Er saß wie auf Kohlen! Kam er dran, dann fiel er unbarmherzig hinein, genau wie die andern. Und nachher kam dann der Doktor Fuchs in die Klasse, mit dem man doch morgen eine Landpartie machen wollte! Die Sache war –

»Na, nun mal – der – Puntz!«

Der Dicke pfiff von seinem Platze auf wie noch nie in seinem ganzen Schulleben. Jetzt sollte er übersetzen. Aber so sehr er sich auch zusammenriß, hier und da stockte er doch, und nun gebrauchte er sogar den Akkusativ, und die Tücke des Schicksals wollte noch, daß gerade hier der – Dativ stehen mußte.

»Ach!« fuhr der Alte da zusammen. »Na, ich glaube gar!« – Bumsvallera gebärdete sich ganz wild dabei. – »Kannst du denn überhaupt –«

Klirrr–r–r!

Der Alte hatte mit seinem Klemmer wütend vor sich hingehauen. Dabei war ihm das Buch mit seiner scharfen, harten Kante in die Quere gekommen, und – das ganze Pincenez war zum Teufel. Und doch tat der Alte auf einmal, als wäre gar nichts geschehen, oder als ärgere er sich nicht im geringsten darüber. Jeder aber sah ihm den Ärger an. Die Jungen wagten ja nun nicht, auch nur einen Mucks zu sagen; aber innerlich schrieen und jubilierten sie vor Schadenfreude. »Der alte Bumsvallera, der hat uns jenug jeschunden, dem gönne ick det!« – So dachte Fritze Köhn; so dachte mit ihm auch manch andrer. –