Währenddessen stand der Dicke da als das Opfer, auf das sich – nach seiner eigenen Meinung – die ganze Erregung des Lehrers entladen mußte.

Nichts von Erregung! »Na also, Puntz! Kannst du denn die Regel? Ja? Na gut! Sag’ sie mal auf!«

Der arme Junge hatte den Kopf gehoben; seine Nasenflügel vibrierten. Er wußte die Regel ganz bestimmt; und doch –.

»Na, los nur! Wenn du sie nicht kannst, dann –.«

Rrrrrrrrr–. Die elektrische Glocke war die Erlöserin.

»Na« – der Alte richtete sich im selben Augenblicke hoch – »na, Puntz, heute kannst du auch sagen: Sic me servavit Apollo!« –

Der Junge atmete tief auf. Er fühlte, wie ihm der Schweiß auf die Stirn getreten war. Die andern, die schon drangewesen und dabei reingefallen waren, die taten ihm ja leid; aber die würden jetzt sicher lachen, wenn er so kurz vor Toresschluß auch noch hineingeflogen wäre. Also Wurst wider Wurst! Er wollte sich freuen, daß er wenigstens so mit einem blauen Auge davongekommen war. – – –

Der alte Bumsvallera hatte seinen Vermerk über das durchgenommene Pensum ins Klassenbuch geschrieben. Als er am Dicken vorbeiging, drohte er ihm mit dem Zeigefinger: »Du, du, lernen!«

Beinahe hätte der Dicke gesagt: »Herr Professor, ich habe auch gelernt!« Doch er dachte noch rechtzeitig daran, daß es nicht wohl angebracht war, dem alten Herrn mit einem Widerspruch zu kommen. So zog der Junge lieber vor, nichts zu sagen. Er begnügte sich nur, hinter dem Alten herzugrienen, und kaum war der zur Tür hinaus, so seufzte Puntz noch einmal auf: »Gott sei Dank! Das ging noch mal so ab!«

»Und die letzte lateinsche Stunde!« gab auch Fritze Köhn seinen Senf dazu. »Verjiß det nicht!«