»U–ah!« – Man denkt gar nicht, daß der kleine Kerl seine Arme so weit in die Welt hinausstrecken kann. – »U–ah! Dicker, nicht wahr, du hast auch keine Lust!«
»Nee, nich die geringste! Sage mal, kannst du fein übersetzen?«
»Natürlich! Denkst du, ich soll noch mal reinfallen?«
»Du, dann übersetze mal schnell!« –
Die grüne Mütze fliegt im selben Augenblick an den nächsten Haken und schwankt da ein ganzes Weilchen hin und her, ganz nachdenklich, ob sie sich bei solcher niederträchtigen Behandlung nicht lieber platt auf den Boden legen soll. Aber sie bleibt doch oben hängen; denn sie muß zu ihrem Schrecken sehen: gerade der, den sie immer so nett bedeckt und beschirmt hat, der hätte jetzt weder Lust noch Zeit, sie aufzuheben.
Wirklich! Der Dicke sitzt schon neben dem kleinen Köckeritz. Sie versuchen emsig, mit den Belgiern Bibrax zu stürmen. Und auch andere scheint das noch außerordentlich zu interessieren; denn bald hat sich um Köckeritz ein kleines Häuflein gebildet, und die Jungen hocken da so dicht zusammen, daß sie von weitem aussehen, als wollten sie einen Trichter im lebenden Bilde darstellen. Während aber doch sonst alles in den Trichter hinunter und zu Tal läuft, so strömt hier scheinbar alles von unten nach oben. Unten im Loch nämlich sitzt der kleine Köckeritz. Und je weiter seine Worte zu dem weiten Trichterrand empordringen, desto andächtiger werden sie auch aufgenommen; denn da oben am Trichterrand sitzen in diesem Falle naturgemäß die meisten Ohren.
Ab und zu wird der Trichterrand oben sogar noch höher, weil noch jemand anders wissen möchte, was nun eigentlich aus Bibrax werden soll. Alles drängt sich heutzutage zur Wissenschaft. Das tun auch gerade die Jungen da oben, die zuletzt dazugekommen sind. Und wenn auch unten im Trichter dafür eine Beule entsteht, die sogar, wider alle Naturgesetze, ein kräftiges Wort gegen die unverschämte Drängelei von oben zutage fördert, so hat doch jetzt keiner recht Zeit, auf so etwas achtzugeben: sie stehen alle in der Furcht des Herrn Professor Bumsvallera!
Da stürzt auf einmal der tolle Hagen in die Klasse herein: »Jungs! Partie, Partie! Vor den großen Ferien noch! Eine Klassenpar–!«
Ha! Wenn der alte Caesar das jetzt hätte sehen können! Bei seinen Lebzeiten war er ja auch oft genug in der Klemme gewesen; aber so schnell war er wirklich nie aus solcher Klemme herausgekommen wie in diesem Augenblicke, als alle diese Tertianer, die ihm eben noch ganz nahe auf den Leib gerückt waren, aus dem Trichter herauspurzelten. Plötzlich saß der kleine Köckeritz ganz allein da, und sein rundes Köpfchen ragte hoch über die zerflossene Trichterflut weg. Er hatte natürlich unten in dem Loch nichts von der sieghaften Ankündigung Hagens gehört; er glaubte vielmehr scheinbar, daß der Professor Bumsvallera ganz überraschend den Einwohnern von Bibrax zu Hilfe gekommen wäre. Da sah er nun Hagens freudig gerötetes Gesicht vor sich und war so erstaunt darüber und machte selber ein so dummes Gesicht dabei, daß Hagen ganz erschrocken tat und mitten in seinem letzten Wort, in der »Klassenpartie« nämlich, stecken blieb.
Aber er hatte keine Zeit, noch länger erstaunt zu sein; denn um ihn fluteten jetzt die Kameraden alle herum und bestürmten ihn, wie just eben noch die Belgier die Stadt Bibrax.