»Na, besser kommen die ja im Leben fort, die so was sagen können. Aber ist denn der Ernst immer so still und ernst gewesen?«

»Nein, nein, früher war er ein ganz aufgeräumtes Kind. Aber seit auch sein Vater gestorben ist, da kann er nicht mehr lachen. Er spielt ja mit den Kindern hier sehr nett; aber er kann nicht mehr lachen!«

Doktor Fuchs hört es der Frau an, wie weh ihr das tut, daß der Ernst scheinbar so alle Lebensfreude verloren hat.

»Nun,« setzt er also hier wieder ein, »deshalb möchte ich gern, daß er die Partie mitmacht. Es tut sicherlich gut, daß er auch einmal auf andere Gedanken kommt. Darf ich Ihnen denn nicht das Geld hierlassen? Dann braucht er doch nicht ›danke!‹ zu sagen.«

Doktor Fuchs muß dabei lächeln.

»Na, ich will es versuchen. Dann muß ich sagen: ein Herr, dem ich erzählt habe, daß er die Partie nicht mitmachen will, weil er nicht die Mittel dazu hat, der hat mir das Geld für ihn gegeben.«

»Gut, gut, tun Sie das, liebe Frau!« – Dabei steht Doktor Fuchs auf. – »Ich habe Sie nun wohl auch schon etwas lange von Ihrer Arbeit abgehalten!«

»Ich bitte sehr. Na, ich danke Ihnen, Herr Lehrer, für das Geld, da es der Ernst ja nicht selber tun kann.« –

Die Tür schließt sich leise hinter Doktor Fuchs. Der aber geht sinnend nach dem Restaurant, wo er – als Junggeselle – täglich ißt. Er kann alle die Gedanken und Bilder nicht loswerden, die soeben in sein Empfinden eingetreten sind. Das ist doch noch Barmherzigkeit und Liebe, welche der arme Fabrikarbeiter und seine Frau da draußen in der Hofwohnung der Havelberger Straße auch ohne viele Worte üben! »Mein Mann sagt, mit Gottes Hilfe werden wir ja noch durchkommen, auch wenn einer mehr mit am Tisch sitzt!« – Aber noch viel mehr beschäftigt seine Gedanken der Ernst Ehrenfried, der das drückende Gefühl durch sein Leben schleppt, den armen Verwandten eine Last zu sein, und der nicht mehr lachen kann, nachdem auch sein Vater gestorben ist. – – –

2 m Schottisch.