»Was soll es denn für Stoff sein?«

»Ich weiß nicht, aber meine Tante – solches hier! Bunt kariert!«

»Da sind zwei Meter nötig. Das macht sechs Mark!«

Der Ernst bekommt einen heillosen Schreck. »Meine – meine –« stottert er, »meine Tante sagt, das kostet eine Mark fünfzig bis zwei Mark!«

»Ach so!« sagt die Verkäuferin nachlässig. »Das ist Schottisch! Solches hier!« –

Nicht immer hat das Volk mit dem Volke Mitleid. Die Verkäuferin sieht jetzt die Kinder kaum noch. Sie wirft das Paketchen Zeug auf den Ladentisch. »Hier kostet das Meter 90 Pfennig. Soll ich zwei Meter abschneiden?«

»Ja, ja,« antwortet der Ernst freudig. »2 m Schottisch!« – Er hat außer der Mark fünfzig Pfennig noch vierzig Pfennig, die er einst dadurch gespart hat, daß er sich den Caesar alt kaufte. Die brauchte er dem Vormund nicht zurückzubringen. Davon opfert er nun freudig dreißig Pfennige. Dem Marthchen legt er dann das Röllchen in die Arme, und freudig gehen sie nach Hause.

»Mutti, Mutti, das hat Ernst gekauft!«

Statt sich aber zu freuen, erschrickt da die arme Frau. »Aber, Ernst,« ruft sie, »das Geld durftest du nicht so ausgeben! Das war für die Partie!«

»Nein, nein, Tante, die Partie brauche ich nicht mitzumachen. Du hast doch neulich auch zu Onkel gesagt, daß Marthchen so notwendig ein Kleidchen braucht. Und könntest du nur einige Groschen abstoßen, dann würdest du schottischen Stoff kaufen und ein Kleidchen machen. Ich freue mich jetzt schon, daß Marthchen ein Kleid kriegt!«