»Ach, Ernst; du hast es ja wieder sehr gut gemeint; aber das geht doch nicht! Nein, das geht wirklich nicht!«
»Was soll ich denn auch bei der Partie, Tante? Die andern Jungen sind da immer so wild. Das Geld haben wir nun besser angewendet.«
Aber wenn auch die Tante jetzt nichts mehr sagt – denn sie muß in der Küche noch waschen – sie wälzt doch immer den Gedanken im Kopfe herum: »Aber nun wird sich doch der Lehrer wundern, wenn der Ernst nicht mitmacht! Er denkt vielleicht, ich habe dem das Geld gar nicht gegeben! Herr Gott! Herr Jeses, Herr Jeses! Wie mache ich denn das nur? Wie mache ich denn das nur? Das Zeug wieder hintragen ins Geschäft? Die nehmen es sicher nicht wieder, wenn’s doch nun einmal vom Stück abgeschnitten ist!« –
Schließlich kommt sie darauf, das ihrem Manne zu sagen, wenn er am Abend nach Hause kommt. Der würde ja schon einen Ausweg finden. – – –
Den Ausweg aber, den die Mutter nicht finden konnte, den fand jetzt eben das kleine, fünfjährige Töchterchen, das Lenchen. Und das sogar ganz ungezwungen und ganz leicht; ganz ohne es zu wollen.
Sie spielt nämlich gerade an Paulchen, dem kleinen Brüderchen herum. Sie legt ihm dabei ein Tüchelchen über die Schultern und sagt ganz traumverloren: »Nun sieht Paulchen aus wie der Herr Lehrer! Ja, wie der Herr Lehrer!«
Der Herr Lehrer? Das Wort trifft das Ohr Ernsts, der am Tische sitzt und da etwas liest. Der Herr Lehrer? Er legt das Buch hin und fragt das Lenchen: »Was für ein Herr Lehrer denn?«
Aber das Kind hat gar nicht auf die Frage geachtet; es hat sie im Spiel einfach überhört. »So! Und dann schenkst du Mutti auch Geld! Viel Geld! So! Und –«
»Du, Lenchen,« – Ernst ist jetzt ganz aufgeregt zu dem kleinen Plappermäulchen hingetreten – »was für ein Lehrer denn? Lenchen! Hörst du denn nicht? Was für ein Lehrer denn?«
Da sieht das Lenchen auf. »Der Mann, der Mutti das Geld gegeben hat. Du sollst doch mitmachen!«