»Das war ein Lehrer?«
»Der Herr Lehrer!« lallt das Kind, und es spielt weiter mit dem Tüchelchen am kleinen Bruder herum.
»Wie sah denn der Herr Lehrer aus, Lenchen?«
Ja, die Frage versteht das Lenchen wohl, aber sie weiß doch nicht, was sie darauf antworten soll: »Ganz anders als Vati! Und der hat Mutti das Geld für dich gegeben!«
Da springt der Ernst mit hochrotem Kopf schnell die paar Schritte in die Küche hinaus: »Tante, Tante, Lenchen sagt, der Herr Lehrer hat dir das Geld für mich gegeben. War das vielleicht Herr Doktor Fuchs?«
Die Tante richtet sich am Waschfaß auf: »Ach, Ernst, da du nun ja selber darauf kommst, ja, der war hier und hat mir das Geld für dich gegeben! Was machen wir denn nun?«
Dem Ernst zittern die Beine. Er hat sich auf den Küchenstuhl setzen müssen, und auch das Lenchen kommt jetzt in die Küche herein und sieht ihm ängstlich ins Gesicht. »Nicht wahr, Mutti,« der Herr Lehrer hat dir das Geld gegeben!«
»Ja doch! Nun geh nur! Ich müßte es dir von meinem Wirtschaftsgeld geben, Ernst. Aber …«
»Nein, Tante! Ich werde morgen Doktor Fuchs sagen, warum ich die Partie nicht mitmachen kann. Laß nur! Das ist gar nicht schlimm!« Dabei geht der Junge auch schon wieder aus der Küche hinaus.
Aber nur äußerlich ist Ernst ruhig geworden. In seinem Innern zuckt und reißt es an ihm herum. Wie soll er das bloß anstellen? Und was wird Doktor Fuchs denken? Und was wird er sagen? Oh, der Ernst hätte bei diesem Gedanken laut aufstöhnen können. Er kam sich wie ein ganz gemeiner Verbrecher vor. Nun sollte er das auch noch alles selber gestehen! Ihm wurde es schon sowieso schwer, überhaupt zu jemand etwas zu sagen! Und nun gar unter vier Augen zu Doktor Fuchs! Ach, ganz elend wurde ihm dabei zu Mute. Aber es mußte ja wohl sein. Die arme Tante ängstigte sich nun auch. Auf keinen Fall aber konnte sie etwas von den paar Pfennigen abgeben, mit denen sie für Essen und Trinken der Familie sorgen sollte. Nein, nein, es mußte eben sein! Er mußte es Doktor Fuchs sagen! Gleich am andern Morgen auf dem Flur! Ganz allein!