»Aber wir haben doch gewonnen!« meint Hagen.

»Beide Teile haben ihre Sache gut gemacht!« erklärt Doktor Fuchs. »Wir scheiden mit einem Hurra von dieser glorreichen Stätte. Hipp, hipp, Hurra!«

»Hurra!« fallen die Jungen lustig ein. Und alle sind jetzt zufrieden und wieder gut Freund. Aber während man hurtig durch die Senke am Pechsee und dann weiter hinaufschreitet, immer am Zaune der Saubucht entlang, lösen sich die Jungen in Grüppchen auf, und lebhaft und mit für und wider wird die soeben gelieferte Schlacht weiter besprochen. Die homerischen Heroen mit ihrem Geflunker und mit ihren Renommistereien sind nur Waisenknaben gewesen im Vergleiche zu diesen Jungen, die schon nach fünf Minuten die Wahrheit zur Dichtung und die Dichtung wieder zur Wahrheit gemacht haben. – – –

Endlich sitzt man oben auf den hölzernen Bänken vor dem lieben, kleinen Restaurant Saubucht und verträgt sich wieder bei etwas gräulicher, sterilisierter Milch und schäumendem Selterwasser.

»Bier gibt’s hier nich!« brummt der Dicke. –

Auf hoher Warte.

»Zum Karlsberg!« heißt es endlich.

Einträchtiglich zieht Freund und Feind in die Senke hinunter. Den gegenüberliegenden Abhang hinauf. An einer Schonung vorbei und dann einen breiten Weg hinan. Als man da halbwegs hoch ist, ragt zur Rechten, etwas nach dem Rücken zu gewendet, der rote, wuchtige Schlot der Pumpstation am Teufelssee über die schwanken Gipfel und Wipfel hinweg, und nach vorn, durch den breiten Einschnitt gesehen, verdämmern drei Hügelzüge, einer hinter den andern gelegt und vom leicht aufsteigenden Dunst der tief unten liegenden Havel mit sanft bläulichem Hauche verbrämt.

So tritt man endlich nach einem langen Viertelstündchen hinaus auf die Chaussee, die sich von rechts her heraufzieht und sich so jetzt quer vor den Weg der Jungenschar legt. Gewaltig ragt drüben aus reinlichem, rötlichem Mauerstein, wie ihn der felsarme Märker brennt, der König Wilhelms Turm auf. Majestätisch breit legt sich die geräumige Rampe um den Fuß des Turmes.

Schon sind diese nimmermüden Tertianer des Doktor Fuchs weg über die große, steinerne Freitreppe. Sie stehen jetzt an dem schwarzgrauen Stein, der so sicher um die Plattform herumläuft, und bewundernd taucht der Blick hinab in die Tiefen des herrlichen Landschafts- und Seenbildes, das die gütige Natur hier mit Wunderhand in Urzeiten geschaffen. Hier steht man auf hoher Warte. Im Rücken rauscht und raunt so geheimnisvoll der Kiefernwald. Rechts und links steigt er hinab zum Saume des Wasserspiegels, der sich glitzernd und blitzend und vom Morgenwehen leicht gekräuselt hindehnt. Nach Norden hinauf verliert sich der Blick in die verschwimmende Ferne, wo Spandaus Mauern und hochragende Häuser wie eine verblassende Fata Morgana auf leicht wallendem Erdennebel thronen. Vorüber an den eckig-hochragenden Sandwällen, von deren einem einst Jazko sich auf seinem Wendenroß in die Havelflut stürzte, findet sich der Blick zurück und bleibt haften auf dem lieblichen Gatow, das sich verschämt tief unten dem jenseitigen Ufer der breitströmenden Havel anschmiegt und sich einhüllt in das lauschige, weiche Gewand schattender Laubbäume. Lichter wird dann drüben die Gegend und lockt den Blick die grünen Ackerlehnen hinauf, hinweg über die hochragenden Pappeln der städteverbindenden Straßen in die gesegneten Fluren des Ost-Havellandes hinein.