Der Berliner Witz war wach geworden. Jeder hatte hier die Parade vergessen; alles reckte den Kopf hoch. Ein großer Dicker vor der kleinen Gruppe drehte sich langsam um und sagte milde und doch auch mit so urkomischer Stimme: »Na, na, wissen Se wat! Hunger un Durscht kann ick entbehren; aber meine Ruhe muß ick haben!«

Jetzt brach ein allgemeines Lachen los und belohnte diese trockenen Worte. Von drüben her indessen fragte einer boshaft: »Na, Sie da, Männeken, Sie haben woll heite zum Reden injenommen?«

Der große Dicke nahm die Sache gut auf und lachte wieder: »Na, du, det ick dir man nich uff’t Jedächtnis tippe! Nur Ruhe im Saal! Beschädijt mir doch nich so mit Redensarten!«

Die Jungen drängten nach rechts hinaus. Da aber kamen sie schön an und mußten wieder etwas hören.

»Wat wollt ihr denn hier, Jungens? Stecht doch die Nase in’t Buch!«

Der dicke Puntz verteidigte sich wieder. »Det jibt’s nu nich! Wir haben ja jerade frei gekriegt, damit wir uns auch die Parade ansehen sollen!«

Dem wirklichen Berliner imponiert es immer, wenn sich jemand die Butter nicht vom Brot nehmen läßt. So lächelte denn auch hier der Mann nur gutmütig und sagte begütigend: »Na, denn drängelt man weiter! Mut zeijet auch der lahme Muck!«

Nicht bloß die Jungen freuten sich mächtig darüber. Auch andere. Der eine der da in drangvoll fürchterlicher Enge Stehenden meinte sogar treuherzig: »Nee, denken Se mal bloß, wat Se da sagen! Det ’s wirklich klassisch!«

Da waren die Jungen heraus. Der Dicke wußte nicht recht: sollte er in der Korona dieser fidelen Urberliner bleiben oder vielleicht lieber seinen Freunden nachlaufen.

Doch lieber den Freunden nach! Schon war er auch heraus aus dem Knäuel.