»Ja, Jungs, da lacht ihr! Bei der Brennessel versteht ihr das; aber könnt ihr mir noch eine Pflanze nennen, die Schutzvorrichtungen hat? – Na, seht ihr? Und der Hagen könnte sie mit der Hand greifen, so nahe steht sie ihm!«
»Ach, vielleicht die rote Pechnelke da?«
»Na, freilich! Warum heißt sie denn überhaupt Pechnelke?« – Doktor Fuchs hat sich zu der Pechnelke hinabgebeugt. – »Nun, seht mal her, Jungs!« Als aber alle Köpfe zusammenschießen und eine tüchtige Drängelei entstehen will, da meint Doktor Fuchs gelassen: »Na, dann helpt det nich! Dann muß sich die Pechnelke opfern!«
Er pflückt sie ab und hebt sie hoch: »Hier, Jungs, seht mal die Gelenke des Stieles an! Unter diesen Gelenken ist die Pflanze so klebrig, daß sie sich da gleichsam einen leimigen Ring umgelegt hat. Auf dem bleibt, wie auf Pech, das ganze Ungeziefer kleben, wenn es der schönen roten Blüte zu Leibe gehen will.«
»Aber!« sagt da einer der Jungen zögernd. Er denkt vielleicht, er wird für seinen Einwurf ausgelacht. »Ist das nicht recht komisch? Die Pflanze kann sich doch nicht selber solchen Ring umlegen!«
Doktor Fuchs hat solchen Einwurf nicht erwartet. Er gibt schnell zu, daß das eine sehr schwierige Frage ist. Zu ihrer Erklärung müsse man auf viel frühere Perioden zurückgehen. Immer nur diejenigen der Pflanzen hätten sich erhalten, die zufällig die besten Schutzvorrichtungen gehabt hätten, und die hätten sich auch fortgepflanzt, bis nun heute die Pechnelken alle so wären. »Wißt ihr, wie man das nennt, Jungs?«
»Zuchtwahl!« – Einige hatten das Wort bereits auf der Zunge.
Da kommt aber auch schon ein anderer Junge dazwischengefahren. »Ja, Herr Doktor, warum stehen denn die Brennesseln immer unter den Eichen?«
Mit einem Ruck bleibt der Gefragte stehen. »Ach, die Brennessel noch einmal? Ja, Jungs, warum stehen die immer unten den Eichen? Manchmal auch in Gräben und hinter Hecken?«
Die Jungen schauen alle erwartungsvoll auf. Ja, warum stehen die hier immer unter den Eichen?