„Eine Dame mit einem Spazierstock gleicht einem Affen, der spazieren geht.“

Der Schreiber war offenbar derart über die Kühnheit seiner bissigen Kritik erschrocken, dass er rasch noch die letzte Glosse anflickte, um alles Vorhergesagte zu mildern:

„Im Uebrigen gleicht das Auftreten und das Gehen der Damen dem eines Kriegers, der in die Schlacht zieht.“

Mit dem Vergleich des Kriegers hat er jedenfalls eine rührsame Seite der Schanghaier Frauenwelt getroffen, wenn man sich vor Augen hält, mit welcher Begeisterung während der Revolution ein Amazonenkorps gegründet wurde, um gegen die Reichshauptstadt zu Felde zu ziehen.

Dieser Umstand ändert aber nichts an der Tatsache, dass die neue Zeit China kostspielige und putzsüchtige Frauen beschert hat. Vorläufig beschränken sich zum Glück die neuen Modeauswüchse noch auf Schanghai. Wenn auch die anderen Städte und später das flache Land von dem Modefieber ergriffen werden, so wird manche Ehe an der teuren Putzsucht der weiblichen Hälfte scheitern. Dann wird auch das Epigramm in seiner wahren Bedeutung von den chinesischen Männern gewürdigt werden, das ein vor Jahrhunderten lebender chinesischer Philosoph über die Ehe verfasst hat. Er sagte: „Die Ehe gleicht einer belagerten Stadt; die draussen sind, möchten hinein, und die drinnen sind, möchten heraus.“

Der von der weiblichen Lebewelt am Neujahrstage entfaltete Luxus war recht bedeutend. Ein abendlicher Gang durch die berühmte, in märchenhaftem Farbenspiel der Lichter erstrahlende Foochow Road führte dem beobachtenden Westländer die steigend kostspieligere und prunkhaftere Lebensführung gewisser chinesischer Kreise überzeugend vor Augen. Rickschas, Sänften und selbst die mit Gummi beräderten Glaskutschen kommen allmählich auf den Aussterbeetat und werden von dem Kraftwagen verdrängt. Trotz Gummispekulation, Krisen auf dem Finanzmarkt und trotz den schweren Geldopfern, die für die „gute Sache“ der Revolution beigesteuert werden mussten, wurde der Tag der chinesischen Jahreswende mit Prunk und tändelndem Saitenspiel gefeiert.

Wie wohltuend wirkte da eine Flucht aus dem lärmenden Neujahrsgetriebe in die ruhige, behäbige Landschaft jenseits des Suchouer Krieks. Dort ist noch echtes, gemütliches, von dem nahen Schanghai unbeeinflusstes China, und es wurde dort auch dementsprechend Neujahr gefeiert. Wenn auch die Bauern jenseits des Krieks nichts von Goethe kennen, so ist ihnen wohl der Ausspruch des dritten Bürgers im Faust aus der Seele geschrieben:

„Herr Nachbar, ja! so lass ich’s auch geschehn:

Sie mögen sich die Köpfe spalten,