Mag Alles durcheinandergehn;
Doch nur zu Hause bleib’s beim Alten!“
Strassenbilder.
Durch die Foochow Road.
Im Schanghaier Sprachgebrauch ist das Wort „Fu-tschou lu“ nicht sehr häufig. Wenn ein Einheimischer nach der Fuoochow Road geht, dann geht er nach dem „Vierten Pferdeweg.“ Die Hauptstrassen der internationalen Niederlassung haben sich nämlich die Chinesen in Ma-lu (wörtlich: Pferdeweg) eingeteilt. So ist zum Beispiel die Nanking Road der „grosse Pferdeweg“, die erste Parallelstrasse der „erste Pferdeweg“, die zweite, der „zweite Pferdeweg“, und so fort. Von allen Pferdewegen hat aber der vierte den besten Klang: Sze-ma-lu ist ein Schlagwort, das weit mehr sagt, als die nüchternen Worte ahnen lassen. Mit dem Szemalu sind die Gestalten pfirsichfarben geschminkter und winzig befusster Mädchen, Politik, Theater, aus der Kehle gequetschter und mit der Fiedel begleiteter Gesang, die neuesten Witze, schlemmerhafte Restaurants und langverandige Teehäuser auf das Engste verknüpft, kurz, der Szemalu ist „die“ Strasse Schanghais, wenn nicht ganz Chinas. Daraus erhellt, dass der Szemalu die Strasse der chinesischen Lebewelt ist. Bei Tage unterscheidet sich die Foochow Road kaum von den übrigen Pferdewegen. Sie trägt dann ein nüchternes, geschäftsmässiges Kleid; in der Luft liegt der Schweiss des Alltags, ausgehaucht von heissgelaufenen Rickschakulies und Lastträgern, vermischt mit Gerüchen, die den Läden entströmen. Die Menschen, die sich durch die Strassen bewegen, tun es nicht zum Zeitvertreib und zum Vergnügen. Jeder hat seine Bestimmung. Wer also bei Tage als studientreibender Ausländer die vielgerühmte Foochow Road durchwandert, der wird enttäuscht sein; denn ihr Bild ist ebenso alltäglich und farblos wie das jeder andern Strasse der Niederlassung. Er muss trotzdem aber einmal bei Tage durchgewandert sein, um die Folie für Das zu haben, was die Augen am Abend erschauen.