„Ich danke, mein Sohn, für gütige Nachfrage. Es geht.“
Einen Augenblick zögerte der Knabe, dann watete er mutig durch das Röhricht, dem Kahn zu. Das Wasser stieg ihm fast bis an die Nase, als er das hintere Ende des Kahnes erreichte. Ein Griff, ein kurzer Schwung, jetzt saß er drin. „Oho, Onkel, du sagst: ‚es geht‘.“ Er wies auf einen Hecht, der in einem ganzen Haufen gefangener Barsche lag.
Der Angler nickte vergnügt. „Es hat sich heute gut gefangen. Doch nun muß ich aufhören, die Würmer sind zu Ende.“
„Ich hole gleich einen ganzen Topf voll.“
„Laß nur, mein Kerlchen, man muß des Guten nicht zuviel genießen. Für heute habe ich auch genug.“ Er wickelte sorgfältig die Angeln auf. „Wie geht es dir in der Schule, Franz?“
„Sehr gut, Onkel“, antwortete der Kleine eifrig. „Der Herr Lehrer hat gesagt, ich werde ein schöner Schreiber werden.“
„Das ist erfreulich, denn er meinte wohl: Schönschreiber. Aber lernst du auch fleißig?“
„Lernen, Onkel? Nein, das brauche ich nicht. Ich weiß ja alles, was der Herr Lehrer vorerzählt, auswendig. Auch das Einmaleins. Und Liederverse, die lese ich mir nur einmal durch.“
„Dann lies sie künftig zweimal, mein Junge. Doch nun pascholl aus dem Kahn! Beeil’ dich und lauf hinauf zu Tante, sie möchte Dora mit einem Korb an den See schicken. Noch eins: sag’ Vater und Mutter, ich käme heut Abend nach dem Essen auf ein Plauderstündchen zu euch.“
Wie ein Pfeil schoß der Junge neben ihm aus dem Kahn kopfüber in die dunkle Flut. Im nächsten Moment tauchte er empor, schüttelte das Wasser aus den krausen Haaren und schwamm am Rohr entlang, bis er durch eine Lücke das Ufer gewann. Eine Minute später sprang er mit hellem Jauchzen das Ufer empor dem Dorf zu.