Vater Rosumek, der Dorfschulze, rüstete sich gerade zum Gang in den Dorfkrug, wo er nach des heißen Tages Arbeit einen kühlen Trunk zu gewinnen dachte, als sein Junge den Besuch ankündigte. Erfreut ließ er sofort den Tisch in der großen Laube am Giebel des Hauses mit weißen Linnen decken und schickte die flinke Jette mit einem Korb nach Bier.
Pfarrer Uwis ließ nicht lange auf sich warten. Würdevoll kam er in langem schwarzen Rock die Dorfstraße angewandelt, seine rundliche Gattin am Arm. Hier und dort blieb er vor einem Hoftor stehen und sprach freundliche Worte zu den Leuten, die in der Abendkühle für die müden Glieder Erfrischung suchten. Vergnügt dankte er den Männern, die sich nach dem Erfolg seiner Angelfahrt erkundigten.
Der Schulze erwartete das Ehepaar am Hoftor, um es nach der Laube zu geleiten, aus der ein heller Lampenschein durch die dichten Ranken des wilden Weins strahlte. „Ein behagliches Plätzchen“, lobte der Pfarrer, während er sich niederließ. „Ich fürchte nur, Vetter Christoph, wir werden Mühe haben, die kleinen Blutsauger zu scheuchen. Meine Hausehre habe ich mitgebracht, sie hat mich schon den ganzen Nachmittag entbehrt, weil ich den Räubern im See nachstellte.“
„Den Erfolg deiner Fahrt habe ich schon gesehen, meine Frau ist noch dabei, die schönen Barsche zu schuppen, die Dora uns gebracht. Schönen Dank dafür!“
„Keine Ursache, Freund, wir hätten die Menge allein nicht bezwungen.“
Behaglich ging das Gespräch hin und her, über das Wetter, über die Ernteaussichten und die Neuigkeiten des Dorfes, bis Frau Rosumek erschien und die Gäste herzlich begrüßte.
Nach dieser Unterbrechung begann der Pfarrer: „Vetter Christoph und liebe Frau Minna, ich habe heute etwas Besonderes auf dem Herzen, was euch beide angeht. Ich möchte mit euch über den Jungen, den Franz, sprechen. Es ist nichts Schlimmes,“ fuhr er lächelnd fort, als er die gespannten Mienen der Eltern sah, „im Gegenteil etwas Gutes. Grigo hat mir schon mehrmals gesagt, der Junge wäre ganz außerordentlich begabt und es wäre nicht recht, solch ein Pfund zu vergraben, anstatt damit zu wuchern. Der Meinung bin ich auch. Ein heller Kopf ist ein Geschenk Gottes, das darf man nicht verkümmern lassen. Drum mache ich dir den Vorschlag: gib ihn auf’s Gymnasium und schlägt er ein, dann laß ihn studieren. Die Mittel dazu habt ihr.“
Frau Rosumek sah den Pfarrer freundlich und dankbar an. „Mir hat es der Lehrer auch schon gesagt. Ach, es wäre das größte Glück für mich, wenn ich meinen Franzel auf der Kanzel sehen könnte.“
Der Vater schien, nach seiner Miene zu urteilen, mit dem Vorschlag des Pfarrers nicht ganz einverstanden zu sein. Er antwortete bedächtig: „Pastor, du meinst es gut mit dem Jungen, das wissen wir. Aber bedenk’: es ist mein Einziger außer dem Mädel, der Emma. Und der Schulzenhof ist seit Jahrhunderten in meiner Familie immer vom Vater auf den Sohn vererbt. Soll ich der Letzte in der Reihe sein? Nein, das geht nicht, lieber Pastor, daß nach mir sich ein Fremder hier hineinsetzt.“
„Das ist ein Grund, der sich hören läßt, Christoph. Es ist was Schönes, wenn Familien in ihrem Besitz dauern. Doch ich wiederhole trotzdem meinen Rat. Denn immer von Neuem müssen frische Kräfte unter die geistigen Führer des Volkes emporsteigen. Frisches Blut muß gerade aus dem Bauernstande den oberen Kreisen zugeführt werden.“