Pünktlich fuhr der Zug in die kleine Haltestelle ein. Ein Abteil zweiter Klasse öffnete sich, eine hochgewachsene, junge Dame stieg heraus. Franz trat auf sie zu, zog seine Mütze und fragte, ob er ihr behilflich sein könne. Er sei sie abzuholen gekommen. Mit einem warmen Blick umfing Adelheid Bartenwerffer den frischen Jungen, aus dessen treuherzigen Augen ihr eine ganz unverhohlene Bewunderung entgegenleuchtete. Sie streckte ihm die fein behandschuhte, schmale Hand entgegen ....

„Ich danke Ihnen, Herr ...?“

„Franz Rosumek, Lehrling bei Herrn Oberamtmann ...“

„Herr Rosumek .. Ich habe nur meine Handtasche bei mir. Wenn Sie aber mein Gepäck besorgen lassen wollen, hier ist der Schein.“

Es waren sieben große Koffer, die auf dem zweiten Wagen kaum Platz hatten. Adelheid war schon in den ersten Wagen gestiegen. „Kommen Sie, junger Freund,“ rief sie Franz zu, „ich bin nach der langwierigen Bahnfahrt etwas ungeduldig, unter Dach zu kommen.“

Behend stieg er auf den Sitz neben ihr. Sein ganzes Wesen befand sich bereits in vollem Aufruhr. Er hatte noch nie eine so elegante junge Dame in der Nähe gesehen. Ihre Schönheit verwirrte ihn. Und der feine Heliotropduft, der von ihr ausging, erregte seine Sinne.

„Es ist doch alles wohl im Hause?“, begann sie, als sich der Wagen in Bewegung setzte.

„Jawohl, alles in Ordnung.“

„Sind Sie schon lange in Polommen?“

„Seit dem 1. Oktober vorigen Jahres.“