„So, dann nehmen Sie meine Sachen aus dem Abteil und schaffen Sie meine Koffer zum Wagen.“

Er hatte alles aufs beste besorgt, und als er sich auf den Wagen schwingen wollte, hatte Herr von Sawerski mit einer kurzen Handbewegung gesagt: „Bitte, auf den Gepäckwagen“.

Aus Ärger war er zu Fuß nach Hause gegangen und kochte vor Wut über die hochmütige Abweisung. „Dem werde ich es eintränken“, sagte er zu Franz. „Der soll was erleben.“

Einige Tage später kam ein Wagen voll Möbel an. Mit einer gewissen Schadenfreude fragte der Gutsherr Hans Kolbe, ob er nicht den Möbelwagen abholen wolle.

„Ich verzichte, Herr Oberamtmann, ich bin zur Erlernung der Landwirtschaft bei Ihnen, aber nicht, um Ihre Gäste von der Bahn abzuholen.“

Der Gutsherr schmunzelte. „Ich dachte nur, Sie hätten ein besonderes Interesse daran, sich dem Herrn von Sawerski gefällig zu erweisen.“ Es war ein Rachenputzer, der die Abneigung des Lehrlings gegen den Ankömmling noch verschärfte. Sie kam wenige Tage später zum offenen Ausdruck, als Herr von Sawerski Kolbe eines Tages auf dem Hof anrief und ihm einen Auftrag erteilte. „Sie können nach Plibischken gehen und Filzschuhe wichsen, Herr Oberleutnant, das ist eine angenehme Beschäftigung“, rief der Jüngling zurück.

Auch Franz kam bald in dieselbe Lage. Herr von Sawerski hatte ihm im Befehlston einen Auftrag erteilt. „Bedauere sehr, Herr Oberleutnant. Wenn Sie mir eine Bitte aussprechen wollten, wäre ich gern bereit, sie zu erfüllen, aber zu befehlen haben Sie mir nichts.“

Ohne Verzug war der Oberleutnant ins Herrenhaus gegangen, um sich beim Oberamtmann zu beschweren. Der nickte und setzte ein ernstes Gesicht auf. „Das ist allerdings sehr unangenehm, aber für Sie, lieber Freund. Sie müssen sich daran gewöhnen, daß die beiden Jünglinge nicht unter Ihrem Kommando stehen. Der eine hat das Abiturium gemacht, der andere das Einjährige, und beide werden in absehbarer Zeit selbständige Gutsbesitzer sein. Es ist mir nicht lieb, daß Sie diese Gegensätzlichkeiten hervorgerufen haben. Ich gebe Ihnen den Rat, solche Anlässe für die Zukunft zu meiden.“

Viktor von Sawerski war sonst kein übler Mensch. Er war nur in seiner Eigenschaft als Kavallerieoffizier dem Leben etwas fremd geworden und konnte sich nicht gleich wieder in die bürgerlichen Verhältnisse zurückfinden, in die er nach seinem Abschied eingetreten war. Er suchte seinen Mißgriff wieder gut zu machen, indem er die beiden Lehrlinge zu einem gemütlichen Abend bei sich einlud. Aber damit hatte er kein Glück. Beide lehnten schriftlich kurz die Einladung mit der Begründung ab, daß sie von der schweren Tagesarbeit zu ermüdet wären, um abends noch kneipen oder feiern zu können.

Gegen Ende April kam Fräulein Adelheid Bartenwerffer. Diesmal wurde Franz von Frau Oberamtmann gebeten, sie von der Bahn abzuholen. Er hatte sich im Laufe der Zeit eine sehr angenehme Stellung im Hause errungen. Der Gutsherr hatte ihn schon vor Weihnachten aufgefordert, zwangslos abends zu oder nach dem Abendbrot im Herrenhause zu erscheinen. Die beiden Buben Max und Hans hatten dicke Freundschaft mit ihm geschlossen, und der alte Brummbär, wie seine Frau ihn oft nannte, führte lange Gespräche über Landwirtschaft mit ihm. Gern, aber mit geringer Freude hatte er der Bitte der Hausfrau willfahrt. War es denn ausgeschlossen, daß er von der jungen Dame so ähnlich behandelt werden würde wie sein Leidensgefährte von dem Oberleutnant.