„Na, Alte, von mir kannst du das nicht behaupten.“
Frau Olga lachte laut auf. „Ein blindes Huhn findet manchmal auch ein Korn.“
„Frau Oberamtmann, das ist starker Tobak. Ich erlaube mir jedoch, dich daran zu erinnern, daß du als Braut, wenn ich dir in meines Herzens Überschwang Schmeicheleien sagte, und ich will als galanter Mann hinzufügen, berechtigte Schmeicheleien sagte, mir stets erwidertest: die Liebe macht blind, woraus zu entnehmen ist, daß ich mit sehenden Augen in mein ...“ Er räusperte sich. „... Schicksal hineingetappt bin. Und nun werde ich dir offen sagen, woran es bei deiner Freundin hapert. Sie ist erstens ein Blender, was mancher Mann nicht gern sieht, und zweitens hat sie etwas haut goût an sich ... ein Spürchen nur, aber ...“
„Du drückst dich sehr drastisch aus, Konrad, aber ich kann dir nicht ganz unrecht geben“, erwiderte die Frau. „Sie steht seit ihrem siebzehnten Jahr allein in der Welt, ist sehr selbständig geworden und benimmt sich etwas frei ... aber sie ist völlig ...“, sie lächelte fein, „wie du sagen würdest, stubenrein.“
„Na, dann sind wir wieder mal einig, liebes Weib. Dann wollen wir die beiden Briefe in die Welt senden. Verderben gehe deinen Gang.“ Er trat zu ihr, legte ihr den Arm um die Schultern und küßte sie.
„Was meinst du, Olga, soll ich ihm nicht gleich ihre Adresse schreiben? Dann könnten sie sich in Berlin schon beriechen und kommen zu uns in hellen Flammen an.“
Sie gab ihm einen Klaps auf die Backe. „Du bist ja unverbesserlich.“
Pünktlich am 1. April traf Herr von Sawerski ein. Hans Kolbe hatte sich dazu gedrängt, ihn abholen zu dürfen. Er kam sehr unbefriedigt zurück. Er war dem Gast sehr höflich entgegengetreten und hatte ihm seinen Namen genannt.
„Was sind Sie auf dem Gut?“
„Lehrling, Herr Oberleutnant.“