„Weil ich meine Freundin Adelheid schon für den Sommer eingeladen habe. Sie wird mit Freuden zusagen, denn sie wartet auf die Einladung.“
Der Mann sah sie einen Augenblick verdutzt an, dann brach er in ein dröhnendes Lachen aus.
„Das nenne ich einen schnellen Entschluß.“
Frau Olga lächelte nachsichtig. „Dein Lob habe ich nicht verdient, nein, wirklich nicht. Ich habe den Brief schon gestern geschrieben, jetzt werde ich nur noch hinzufügen, daß wir deinen Freund erwarten.“
In den Augen des Hausherrn blitzte der Schalk auf. „Frau, das würde ich nicht tun, sonst kommt sie nicht, und das würde dir doch leid tun.“
„Du bist ein arger Spötter“, erwiderte Frau Olga mit etwas verlegenem Lächeln. „Ich überlege schon, ob ich nicht besser daran täte, Adelheid nicht einzuladen. Denn du bist imstande, zarte Beziehungen, die sich vielleicht anspinnen, durch deine unzarten Spöttereien im Keime zu zerstören.“
Mit heuchlerischer Miene erwiderte der Hausherr: „Ach so, du meinst, zwischen deiner Freundin und meinem Freund könnte sich was anspinnen? Daran habe ich noch nicht gedacht, aber das ist kein übler Gedanke ... da können wir ja was erleben. Du wirst mich doch auf dem Laufenden halten.“
„Pfui, Konrad! Du meinst, Adelheid wird sofort auf deinen Freund Jagd machen?“
„Ja, das meine ich allerdings, Olga, das meine ich. Und im Ernst gesprochen, das ist doch seit ungefähr zehn Jahren die einzige Beschäftigung deiner Freundin. Und weißt du, Frau, ich wundere mich, daß sie nicht schon einen Mann erwischt hat. Sie ist klassisch schön, elegant, geistreich, belesen, hat eine prachtvolle Gestalt, singt und spielt wie eine Künstlerin. Wir wissen ja auch, daß sie überall Bewunderung erregt und Verehrer findet, aber keinen ernsthaften Bewerber. Wundert dich das nicht auch?“
„Nein, Konrad, die Männer gehen oft achtlos an einem Juwel vorüber.“