„Was ich muß. Frag’ nicht weiter, liebe Frau, das sind Männersachen, über die ich nicht sprechen darf. Um jedoch auf besagten Hammel zurückzukommen: Ich halte es durchaus für möglich, daß Adelheid mit dem frischen Jungen geflirtet hat. Gebildte Lüd’ drapen sich, säd de Vos, da ging hei mit de Gaus spaziere.“

Frau Olga lächelte. „Aber Konrad, das Sprichwort hinkt ja auf beiden Seiten.“

„Na, dann will ich einen anderen Vergleich wählen. Das war ein falscher Kontakt, der Kurzschluß herbeiführte.“

„Du bist ein arger Spötter, lieber Mann.“

„Und du bist eine liebevolle Freundin, klug wie eine Taube und ohne Falsch wie die Schlange. Gehab dich wohl, teures Weib, mich ruft die Pflicht.“

Er ging in sein Zimmer, ließ den Oberinspektor rufen und legte ihm Franzens Bericht über den Vorfall vor. Ohne Zögern bestätigte der Mann, der auch Reserveoffizier war, daß jedes Wort der Wahrheit entsprach. Und von selbst fügte er hinzu, ihm sei die eiserne Ruhe des jungen Mannes aufgefallen. Nur bei den letzten Worten, als er Sawerski die Reitpeitsche entriß: „Sie wollen sich wohl noch eine Tracht Prügel verdienen?“, habe er die Stimme in leicht begreiflicher Erregung etwas erhoben.

Eine Stunde später rief der Oberamtmann den Bezirkskommandeur in der Stadt an, teilte ihm die Sache mit und beantragte die Einberufung eines Ehrengerichts. Eine Forderung sei noch nicht erfolgt, jedoch im Laufe des Tages zu erwarten.

In der Mittagszeit erschien bei Franz der Inspektor eines benachbarten Gutes und stellte sich gezwungen höflich vor: „von Poltenstern. Ich habe Ihnen im Auftrage des Oberleutnants von Sawerski eine Forderung auf Pistolen zu überbringen. Wollen Sie mir den Namen Ihres Sekundanten nennen, damit ich mit ihm alles Nähere vereinbaren kann.“

Franz hatte sich sofort bei Eintritt des Besuchers erhoben. „Ich bitte Sie, sich zu Herrn Oberamtmann zu bemühen.“

Der Inspektor sah ihn etwas verdutzt an, dann eine knappe, sehr gemessene Verbeugung. Weg war er. Ohne anzuklopfen trat er bei Viktor ein. „Was gibt’s?“