Was dagegen jedenfalls eine freudige Vorbedeutung genannt werden muß, ist die überraschende Nachricht, daß einem russischen Minister ein fremder Orden, erblich in seiner Familie, verliehen worden ist. Wie schön! während die gottlosen St. Simonianer selbst die Erblichkeit von Haus und Geld und Hof aufheben wollen, läßt die russisch-persische Morgenröthe (denn um einen persischen Orden handelt sich’s) uns sogar die zukünftige Ordens-Erblichkeit und gewissermaßen-Unsterblichkeit hoffen. Auch ist dies nicht mehr wie billig. Es sind der Orden zu viele geworden, um nicht die aufmerksamste Sorge aller Regierungen auf sich zu ziehen. Nach so vielen Emancipationen unsrer Tage, wie — der Völker (wer hörte nicht davon), der Kinder (man betrachte unsere Erziehung), der Pferde und Esel (S. Schefers Novellen), der Bauern (v. preußische Ablösungsgesetze), der Sclaven endlich und der Juden (laut den englischen Parlamentsverhandlungen), — dürfen wir auch eine Emancipation der Orden erwarten, und der Tag ihrer allgemeinen Erblichsprechung wird ein Tag des Segens und der Freude für Viele seyn.
Ich schmolle oft mit den Engländern, eben weil sie so groß sind, und doch zuweilen wieder so klein!
Heute aber, als ich das Zeitungsblatt aus der Hand legte, fühlte ich mich von inniger ungetheilter Verehrung für sie durchdrungen. Diese Emancipation der Juden, deren ich eben erwähnte, ist wahrlich ein ernstes und glorreiches Zeichen des Fortschritts ihrer geistigen Cultur und wird für sie selbst zur Milderung und Aufklärung ihrer Religionsbegriffe die wohlthätigsten Folgen haben; denn ein Schritt im Guten führt eben so sicher zum Bessern, als umgekehrt das Böse „immer Böseres muß gebähren.“ Heil dir also, edles Volk, das uns in so Vielem schon vorleuchtete, und nun auch die Axt an jene stupide Barbarei gelegt hat, mit der wir im ganzen Europa so lange Zeit, zu unsrer ewigen Schmach, eine zahlreiche Klasse unsrer Mitmenschen verfolgten, und erst selbst verderbten, um sie nachher dieser Verderbniß wegen anklagen zu können.
Es ist ein schöner, endlicher Sieg der Menschlichkeit und Gerechtigkeit, der Welt zum Beispiel aufgestellt, und wir wollen gern einen Schleier darüber decken, welche Tendenzen zu derselben Zeit bei uns in dieser Hinsicht laut wurden. Ich weiß nicht, wie andere Christen darüber denken, aber was mich betrifft, so kann ich wohl sagen, daß, seit ich zu Verstande gekommen bin, ich nie einem gebildeten Juden begegnete, ohne mich gewissermaßen vor ihm zu schämen, indem ich lebhaft fühlte: daß nicht wir zur Verachtung seiner Glaubensgenossen, wohl aber er zur Verachtung der unsrigen ein Recht habe.
Es wird nun auch dabei nicht bleiben. Die heutige Zeit mit all ihren Mängeln und Geburtsschmerzen, tritt dennoch schnell ein gehässiges Vorurtheil nach dem andern in den Staub, und wenn sie auch durch ungeschickte Auffassung zuweilen nur wieder eine, momentan erfolgreiche, Reaction bewirkt, auch oft selbst das arme Kind gleich mit dem Bade verschütten will, so muß sie, nach dem göttlichen Gesetz, am letzten Ende doch ohnfehlbar dahin kommen, wohin sie steuert — zum Reiche der Vernunft.
Uebrigens bleibt es doch ein merkwürdiges Zeichen der Inconsequenz des menschlichen Geistes, daß in derselben englischen Parlaments-Sitzung der edle Vorschlag zur Emancipation der Juden, und die lächerliche Bill für bessere Heilighaltung des Sonntags (nach welcher unter andern Jeder in Strafe verfallen soll, der am Sonntag Zeitungen liest, oder sich nur nach einer politischen Nachricht erkundigt, nebst vielem dergleichen Unsinn mehr) zugleich zur Dicussion kommen konnten, und nur eine eben so kleine Mehrheit für die erste günstig, als für die zweite Narren-Schellen-Kappen-Bill ungünstig entschied.
Trocknere Variation auf ein früher berührtes Thema.
Ohne Zweifel nimmt der Stand der Grundbesitzer eine der wichtigsten, wo nicht die wichtigste Stelle in der Gesammtheit des Staates ein. Demohngeachtet scheint es, daß bei uns kein andrer Stand, besonders der mit dem Adel belastete Theil desselben, nach und nach immer mehr von seiner Geltung verloren hat, ja der Einzelne dieser Klasse sich jetzt wohl selbst nichts weniger mehr als hoch anschlägt, wenn er außer seinem Landbau nicht noch andre Aemter bekleidet, oder andern Geschäften obliegt.