„Wie meinen Sie das?“ fragte Rasumichin.

„Nun, im besten Sinne des Wortes,“ sagte Peter Petrowitsch, als wäre er über die Frage erfreut. „Ich war, sehen Sie, seit zehn Jahren nicht mehr in Petersburg. Alle unsere Neuerungen, Reformen und Ideen, dies alles hat auch uns in der Provinz erreicht, aber um klarer zu sehen und um alles zu sehen, muß man in Petersburg sein. Nun, und meine Meinung ist, daß man am meisten bemerkt und erfährt, indem man unsere jüngere Generation beobachtet. Und offen gestanden, ich bin erfreut ...“

„Worüber denn?“

„Ihre Frage ist zu umfassend. Ich kann mich irren, aber es scheint mir, ich finde einen klareren Blick, sozusagen mehr Kritik, mehr Tüchtigkeit ...“

„Das ist wahr,“ sagte gelassen Sossimoff.

„Du lügst, Tüchtigkeit ist nicht da,“ mischte sich Rasumichin ein. „Tüchtigkeit erwirbt sich schwer und fällt nicht umsonst vom Himmel. Wir sind aber fast seit zweihundert Jahren von jeder Arbeit entwöhnt ... Ich gebe zu, Ideen hat man,“ wandte er sich an Peter Petrowitsch, „auch Wünsche für das Gute sind da, wenn auch kindische, auch Ehrlichkeit findet man vor, ungeachtet dessen, daß hierher unzählige Gauner gekommen sind, aber Tüchtigkeit gibt es doch nicht! Nur in Ausnahmefällen.“

„Ich bin mit Ihnen nicht einverstanden,“ erwiderte mit sichtbarem Behagen Peter Petrowitsch, „sicher gibt es Übertreibung, Unregelmäßigkeiten, aber man muß auch nachsichtig sein; Übertreibung zeugt von Eifer für die Sache und von der unrichtigen äußeren Umgebung, in der die Sache sich befindet. Wenn noch wenig getan ist, so war auch die Zeit zu kurz. Von den Mitteln rede ich gar nicht. Meiner persönlichen Auffassung nach ist sogar, wenn Sie wollen, etwas getan, – es sind neue nützliche Gedanken, einige neue nützliche Werke, an Stelle der früheren schwärmerischen und romantischen, verbreitet; die Literatur zeigt ein reiferes Gepräge; viele schädliche Vorurteile sind ausgerottet und werden verspottet ... Mit einem Worte, wir haben uns unwiderruflich von der Vergangenheit losgesagt, und das ist meiner Meinung nach schon eine Tat ...“

„Hat er das auswendig gelernt! Empfiehlt sich damit!“ sagte plötzlich Raskolnikoff.

„Was?“ fragte Peter Petrowitsch, da er nicht recht gehört hatte, aber er erhielt keine Antwort.

„Das ist alles wahr,“ beeilte sich Sossimoff zu bemerken.