„Ah! Das ist ja der Kristallpalast! Rasumichin sprach vorhin vom Kristallpalast! Ja, was wollte ich aber? Ah, ich wollte lesen! ... Sossimoff erzählte, daß er in den Zeitungen gelesen hätte ...“

„Haben Sie Zeitungen?“ fragte er, indem er in ein ziemlich geräumiges und sogar reinliches Restaurant mit mehreren jetzt ziemlich leeren Räumen eintrat. Zwei, drei Gäste tranken Tee und in einem der Hinterzimmer saßen etwa vier Menschen und tranken Champagner. Raskolnikoff glaubte unter ihnen Sametoff zu erkennen. Von weitem konnte man es nicht unterscheiden.

„Und wenn auch!“ dachte er.

„Befehlen Sie Branntwein?“ fragte der Kellner.

„Bringe mir Tee. Und bringe mir Zeitungen, alte Zeitungen, so von den letzten fünf Tagen, ich gebe dir ein Trinkgeld dafür.“

„Jawohl. Hier sind die heutigen. Befehlen Sie auch Branntwein?“

Alte Zeitungen und der Tee erschienen. Raskolnikoff setzte sich hin und begann zu suchen: – „Isler ... Isler ... Azteken ... Azteken ... Isler ... Bartola ... Massimo ... Azteken ... Isler ... pfui, zum Teufel! ah, da ist die Lokalchronik ... von der Treppe herabgestürzt ... ein Kleinbürger gestorben an Alkoholvergiftung ... Feuersbrunst ... Feuersbrunst ... noch eine Feuersbrunst ... und noch eine Feuersbrunst ... Isler ... Massimo ... Isler ... Isler ... Massimo ... Ah, da ist es ...“

Er hatte endlich gefunden, was er suchte und begann zu lesen; die Zeilen hüpften vor seinen Augen, trotzdem las er die ganze „Nachricht“ zu Ende und begann voll Gier in den weiteren Nummern die Fortsetzung zu suchen. Seine Hände zitterten vor starker Ungeduld, indem er in den Zeitungen blätterte. Plötzlich setzte sich jemand neben ihn, an seinen Tisch. Er schaute hin – es war Sametoff, derselbe Sametoff und mit demselben Äußern, mit Ringen, Uhrketten, mit einem Scheitel in seinen schwarzen gekräuselten und pomadisierten Haaren, in einer eleganten Weste, in einem etwas abgetragenen Rocke und nicht ganz reiner Wäsche. Er war lustig gestimmt, wenigstens lachte er sehr vergnügt und gutmütig. Sein gebräuntes Gesicht war vom genossenen Champagner ein wenig erhitzt.

„Wie! Sie hier?“ begann er mit Staunen und in einem Tone, als wäre er ein ewigalter Bekannter. „Mir erzählte gestern noch Rasumichin, daß Sie immer noch bewußtlos daliegen. Das ist merkwürdig! Wissen Sie, ich war bei Ihnen ...“

Raskolnikoff hatte sich’s gedacht, daß er zu ihm herankommen würde. Er legte die Zeitungen beiseite und wandte sich zu Sametoff. Auf seinen Lippen spielte ein hämisches Lächeln, aber in diesem Lächeln lag eine gereizte Ungeduld.