Ein hohler, schrecklicher Husten unterbrach sie. Sie hustete, spie in ein Taschentuch, hielt die eine Hand vor Schmerz an die Brust und zeigte mit der anderen dem Priester das Taschentuch. Das Taschentuch war voll Blut ...

Der Priester senkte den Kopf und schwieg.

Marmeladoff lag in den letzten Zügen; er wandte von Katerina Iwanowna, die sich wieder über ihn gebeugt hatte, seine Augen nicht ab. Er wollte ihr immer etwas sagen, er begann auch, bewegte voll Anstrengung die Zunge und sprach die Worte unklar aus, aber Katerina Iwanowna, die verstanden hatte, daß er sie um Verzeihung bitten möchte, rief ihm sofort in befehlendem Tone zu:

„Schweig ... schweig! Ist nicht nötig! ... Ich weiß, was du sagen willst! ...“

Und der Sterbende verstummte, aber in diesem Augenblicke fiel sein irrender Blick auf die Türe, und er erblickte Ssonja.

Vorher hatte er sie nicht bemerkt, – sie stand im Schatten in der Ecke.

„Wer ist das? Wer ist das?“ sagte er plötzlich mit heiserer, erstickender Stimme, ganz aufgeregt und zeigte voll Schrecken mit den Augen auf die Türe, wo seine Tochter stand, und versuchte sich zu erheben.

„Bleib liegen!“ rief Katerina Iwanowna. Ihm war es mit unnatürlicher Anstrengung gelungen, sich auf seine Hand zu stützen. Er sah wild und unbeweglich eine Weile die Tochter an, als ob er sie nicht erkenne. Er hatte sie auch noch nie in diesem Aufzuge gesehen. Plötzlich erkannte er sie, die gedemütigte, völlig niedergeschlagene, geputzte und sich schämende, die demütig wartete, bis an sie die Reihe kam, vom sterbenden Vater Abschied zu nehmen. Ein grenzenloses Leid zeigte sich auf seinem Gesichte.

„Ssonja! Tochter! Verzeih!“ rief er und wollte nach ihr die Hand ausstrecken, aber er verlor das Gleichgewicht und stürzte vom Sofa mit dem Gesichte zu Boden. Man lief hin, um ihn aufzuheben und legte ihn auf das Sofa hin, aber er war schon im Sterben. Ssonja schrie schwach auf, lief hin, umarmte ihn und blieb bewegungslos stehen. Er starb in ihren Armen.

„Er hat’s erreicht!“ rief Katerina Iwanowna, als sie ihren Mann tot sah. „Aber was soll ich jetzt tun! Womit soll ich ihn beerdigen? Und womit soll ich diese hier füttern?“