„Höre,“ beeilte sich Raskolnikoff zu sagen, „ich bin nur hergekommen, um dir zu sagen, daß du die Wette gewonnen hast, und daß tatsächlich niemand wissen kann, was alles mit ihm geschieht. Hineingehen kann ich nicht, – ich fühle mich zu schwach, so daß ich fürchten muß, hinzufallen. Und darum sage ich dir gleich ‚Guten Abend‘ und ‚Lebewohl‘! Komm du morgen zu mir ...“
„Weißt du was, ich begleite dich nach Hause! Wenn du schon selbst sagst, daß du dich schwach fühlst, da ...“
„Und deine Gäste? Wer ist dieser mit dem lockigen Haar, der soeben herausguckte?“
„Der? Weiß der Teufel, wer er ist! Wahrscheinlich ein Bekannter meines Onkels, vielleicht ist er auch ohne Aufforderung hergekommen ... Ich lasse den Onkel bei den Gästen; er ist ein prächtiger Mensch. Schade, daß du ihn jetzt nicht kennenlernst. Im übrigen, hol sie alle der Teufel! Jetzt haben sie keine Zeit, an mich zu denken, und ich muß frische Luft schöpfen; du bist mir sehr gelegen gekommen. Noch zwei Minuten und ich hätte mich mit ihnen geprügelt, bei Gott! Sie lügen so das dümmste Zeug zusammen ... Du kannst dir nicht vorstellen, wie groß der Mensch im Lügen ist! Na, warum sollst du es dir nicht vorstellen können? Wir lügen doch selbst? Ja, mögen sie auch jetzt lügen, dafür werden sie später nicht mehr lügen ... Warte einen Augenblick, ich sage es noch Sossimoff ...“
Sossimoff eilte hastig auf Raskolnikoff zu; man merkte in ihm eine besondere Neugierde, jedoch sein Gesicht hellte sich sofort auf.
„Gleich ins Bett,“ sagte er, nachdem er nach Möglichkeit den Kranken untersucht hatte, „und zur Nacht nehmen Sie noch ein Pülverchen. Wollen Sie es nicht? Ich habe schon vorher für Sie ... ein Pülverchen bereitet.“
„Meinetwegen nehme ich auch zwei Pulver,“ antwortete Raskolnikoff.
Und das Pulver wurde sofort eingenommen.
„Es ist sehr gut, daß du ihn begleitest,“ sagte Sossimoff zu Rasumichin, „wie es morgen sein wird, werden wir sehen, heute ist es nicht übel mit ihm, – eine bedeutende Verbesserung seit kurzem. Man lernt sein ganzes Leben ...“
„Weißt du, was Sossimoff mir soeben zuflüsterte, als wir fortgingen,“ platzte Rasumichin heraus, als sie auf die Straße traten. „Ich will dir, Bruder, nicht alles so direkt sagen, denn sie sind Dummköpfe. Sossimoff bat mich, den ganzen Weg mit dir zu schwatzen und dich selbst zum Schwatzen zu veranlassen, um ihm dann alles nachher zu erzählen, denn er hat eine Idee ... nämlich daß du ... verrückt seist, oder nahe daran bist. Stell’ dir das vor! Erstens bist du dreimal klüger als er, zweitens, wenn du nicht verrückt bist, pfeifst du darauf, daß er so dummes Zeug im Kopfe hat, und drittens, dieses Stück Fleisch, trotz seiner Spezialität für Chirurgie, ist jetzt auf Geisteskrankheiten versessen, und in bezug auf dich hat ihn dein heutiges Gespräch mit Sametoff endgültig darauf gebracht.“