„Laß mich los, betrunkener Teufel!“ wehrte sich Sossimoff, blickte ihn dann, nachdem Rasumichin ihn losgelassen hatte, aufmerksam an und schüttelte sich plötzlich vor Lachen.
Rasumichin stand mit gesenkten Armen und in düster ernstem Nachdenken vor ihm.
„Selbstverständlich bin ich ein Esel,“ sagte er finster, wie eine Gewitterwolke, „aber auch du ... bist einer.“
„Nein, Bruder, nein, ich bin keiner. Ich träume nicht von Dummheiten.“
Sie gingen schweigend weiter und erst, als sie sich der Wohnung Raskolnikoffs näherten, unterbrach Rasumichin mit sorgenvollem Gesichte das Schweigen.
„Höre,“ sagte er zu Sossimoff, „du bist ein prächtiger Bursche, aber du bist, außer all deinen üblen Eigenschaften, noch ein Stromer, das weiß ich, und außerdem einer von den ärgsten. Du bist ein nervöser, schwacher Lappen, hast verrückte Anwandlungen, hast Fett angesetzt und kannst dir nichts versagen, – und das nenne ich schon gemein, denn es führt zum Gemeinen. Du hast dich so verwöhnt, daß ich – offen gesagt, – nicht im geringsten verstehe, wie du dabei ein guter und sogar aufopfernder Arzt sein kannst. Du – ein Arzt – schläfst auf einem Pfühle und stehst für einen Kranken in der Nacht auf! Nach drei Jahren wirst du nicht mehr wegen eines Kranken aufstehen ... Nun, zum Teufel damit, das ist es nicht, sondern folgendes, – du schläfst heute Nacht in der Wohnung der Wirtin, – ich habe sie mit Mühe dazu überredet, – und ich in der Küche, – da habt ihr Gelegenheit, einander näher kennenzulernen! Nicht etwa, wie du meinst, um ...! Davon ist keine Rede!“
„Ich meine auch gar nichts.“
„Hier findest du, Bruder, Schamhaftigkeit, Schweigsamkeit, Schüchternheit, eine gräßliche Keuschheit und dabei – Seufzer, und sie schmilzt wie Wachs! Befreie mich von ihr, im Namen aller Teufel in der Welt! Sie ist sehr ansprechend! ... Ich vergelte es dir, tausendfach vergelte ich es dir!“
Sossimoff lachte noch stärker als vorher.
„Sieh mal, wie du aus dem Häuschen bist! Was soll ich denn mit ihr?“