„Hm, sag’ mal, hast du irgendeinen Einfluß auf die Mutter und Schwester? Man müßte heute ihm gegenüber vorsichtiger sein ...“

„Sie werden sich schon einigen!“ – antwortete Rasumichin unwillig.

„Und warum ist er so gegen den Luschin? Ein Mensch mit Geld, ihr, wie es scheint, nicht unangenehm ... und sie haben doch keinen blanken Heller!“

„Was forschest du mich aus?“ – rief Rasumichin gereizt. – „Woher soll ich wissen, ob sie einen Heller haben oder nicht? Frage sie doch selbst, vielleicht sagen sie es dir ...“

„Na, wie dumm du zuweilen bist! Der gestrige Rausch sitzt noch in dir ... Auf Wiedersehen! Danke in meinem Namen deiner Praskovja Pawlowna für das Nachtlager. Sie hat sich eingeschlossen, auf meinen ‚Guten Morgen‘ hat sie durch die Tür geantwortet, war aber um sieben Uhr aufgestanden, man brachte ihr aus der Küche durch den Korridor den Samowar ... Ich hatte nicht die Ehre, sie zu sehen ...“

Punkt neun Uhr erschien Rasumichin in Bakalejeffs „Möbliertem Zimmer“. Beide Damen erwarteten ihn schon lange mit nervöser Ungeduld. Sie waren schon vor sieben Uhr aufgestanden. Er trat finster wie die Nacht ein, machte eine linkische Verbeugung, worüber er sofort ärgerlich wurde – selbstverständlich auf sich selbst. Er hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht, – Pulcheria Alexandrowna stürzte buchstäblich zu ihm hin, erfaßte ihn an beiden Händen und küßte sie beinahe. Er warf einen schüchternen Blick auf Awdotja Romanowna, aber auch auf diesem stolzen Gesichte lag in diesem Augenblicke solch ein Ausdruck von Dankbarkeit und freundlicher Gesinnung, solch eine vollkommene und unerwartete Achtung – (an Stelle von spöttischen Blicken und unwillkürlicher schlecht verborgener Verachtung) – daß es ihm tatsächlich angenehmer gewesen wäre, wenn man ihn mit Scheltworten begrüßt hätte, es war zu beschämend. Zum Glück gab es ein Thema zur Unterhaltung, und er benutzte es sofort.

Als Pulcheria Alexandrowna vernahm, daß er zwar noch nicht aufgewacht, aber „daß alles ausgezeichnet gehe,“ erklärte sie, das wäre sehr gut, weil sie noch vorher mit ihm, Rasumichin, über sehr, sehr vieles zu sprechen habe. Er wurde gefragt, ob er schon Tee getrunken habe und dann eingeladen, mit ihnen den Tee zu trinken, – sie hatten in Erwartung Rasumichins noch nicht gefrühstückt. Awdotja Romanowna klingelte, auf ihr Zeichen erschien ein schmutziger, zerlumpter Kerl, und bei ihm wurde der Tee bestellt, der auch endlich gereicht wurde, aber so schmutzig und so unanständig, daß die Damen sich schämten. Rasumichin begann energisch über diese möblierten Zimmer zu schimpfen, erinnerte sich aber Luschins, verstummte, wurde verlegen und war sehr froh, als Pulcheria Alexandrowna ihn mit ihren Fragen nicht mehr losließ.

Er beantwortete sie alle, sprach drei Viertelstunden lang, wurde beständig unterbrochen und von neuem befragt, und teilte alles Hauptsächliche und Notwendige, das er aus dem letzten Jahre kannte, mit, und schloß mit einer genauen Erzählung von der Krankheit Rodion Romanowitschs. Er ließ aus, was verschwiegen werden mußte, unter anderem den Auftritt in dem Polizeibureau mit allen seinen Folgen. Man lauschte gierig seiner Erzählung; als er aber glaubte, daß er zu Ende sei und seine Zuhörerinnen befriedigt habe, zeigte es sich, daß er für sie kaum begonnen zu haben schien.

„Sagen Sie, sagen Sie mir, wie meinen Sie ... ach, entschuldigen Sie, ich kenne ja noch nicht einmal Ihren und Ihres Vaters Namen!“ – sagte Pulcheria Alexandrowna eilig.

„Dmitri Prokofjitsch.“